Für den Hamburger Großkonzern machte sich der ungewöhnliche Kontrakt dennoch bezahlt. Im Juli letzten Jahres erwarben die hanseatischen Blattmacher (Stern, Brigitte, Schöner wohnen, Capital, Essen & Trinken, Eltern, Schule) „alle Auswertungs- und Nebenrechte für alle Länder der Europäischen Gemeinschaft sowie für das deutschsprachige Ausland“, so die Verlagsmitteilung, „für Herstellung und Vertrieb, für Bücher, Spiele, Puppen, Comics, Schallplatten und sonstige Produktionen“. Vertragliche Nebenbedingung: „Alle Nebenprodukte der Fernsehserie müssen den pädagogischen Sesamstraße-Lernzielen entsprechen.“

Die pädagogischen Gütesiegel freilich wollten die Amerikaner selbst vergeben. So konnten zwar die Hamburger Verlagsherren schnell Lizenzen an Spiel Warenhersteller vergeben: an den Puppenhersteller Schildkröt AG, an die Spielebastler Ass, F. X. Schmid und Schmidt Spiel und Freizeit.

Doch mit dem eilig produzierten Spiel- und Spielwarensortiment mußte ein G + J-Vertreter eigens nach Amerika fliegen, um die Prototypen CTW-Vertretern zur Begutachtung vorzulegen. Eventuell gewünschte Änderungen mußten von den Herstellern genau ausgeführt werden.

Sämtliche Vertriebsrechte übertrugen die Hamburger Verleger an die Berliner Lernmittelherstellerin Carl Herlitz AG. Das Familienunternehmen, das selbst Mal- und Bilderbücher, Rahmen- und Bodenpuzzles mit Sesamstraße-Motiven herstellt, hatte sich mit „einer gut ausgebildeten Vertreterorganisation“, so Herlitz-Geschäftsführer Heinz Herlitz, gegenüber „30 bis 40 Konkurrenten durchgesetzt“. Knapp 40 nach G + J-Unterlizenz produzierte Spielwarenartikel aller Hersteller (Fingerpuppen zum Verkaufspreis von 2,95 Mark, Puzzlespiele in der Schachtel für 8,80 Mark, Handpuppen zu 29,50 Mark) vertreiben Herlitz-Vertreter seither an Warenhäuser und den Fachhandel.

Anfang November konnten die ersten Produkte an den Handel ausgeliefert werden. Mitte November bis Anfang Dezember folgte die zweite Partie. Zu Weihnachten freilich war der Handel nahezu ausverkauft. Nachbestellungen konnten wegen Überlastung nicht mehr geordert werden. So spüren die Berliner Sesamstraße-Lieferanten bis jetzt, kein Nachlassen des Geschäfts. Heinz Herlitz: „Es läuft wie vor Weihnachten.“

Die ersten anderthalb Monate des Sesamstraße-Geschäfts liefen, so freut sich auch Manfred Brand vom Kölner Interverlag für Jugendschriftentum (Bilder- und Bastelbücher) „ausgesprochen bombig“. Herlitz registrierte einen Umsatz von zehn Millionen Mark.

Schon auf der Nürnberger Spielwarenmesse im vergangenen Februar hatte Manfred Brand für seinen Interverlag Nachdruckrechte von dem New Yorker Buchverlag Western Publishing erworben, die ihrerseits mit CTW verhandelt hatten. Der Kölner Interverlag muß vom Verkaufspreis seiner 14 Titel (Druckauflage: 50 000 pro Objekt) eine Lizenz „von zusammen ungefähr acht bis zwölf Prozent“, so Manfred Brand, an die Western Publishing und an CTW zahlen. Rund ein Drittel seines Sechs-Millionen-Umsatzes macht der Verlag inzwischen mit der Sesamstraße.