Die Freizeitstadt Münchens kommt ohne neues Konzept in Schwierigkeiten

Großzügig meinte Otto Schnitzenbaumer, der Baulöwe von Augsburg, vor zwei Jahren: Wir gehen doch nicht mit einem Bein aufs Drahtseil.“ Alle Zweifel an seinem Mammutprojekt, dem Freizeitdorado Schwabylon, das er für 160 Millionen Mark im Norden des Münchner Vergnügungsviertels Schwabing aufbauenwollte, seien unangebracht.

Gleichermaßen optimistisch gab sich die Hessische Landesbank Girozentrale in Frankfurt (Helaba), sein Finanzierungspartner. „Wir haben Schwabylon auf Herz und Nieren geprüft. Uns kann nichts passieren“, versicherte im Herbst 1972 ihr inzwischen ausgeschiedener Präsident Wilhelm Hankel.

Doch zwei Monate nach der Eröffnung macht Schwabylon heute nur noch negative Schlagzeilen. Münchner Bankiers hatten schon beim feierlichen Start im November gewitzelt, über dem grellbunten Popbunker in der Münchner Leopoldstraße schwebe unsichtbar der Pleitegeier.

In den Bankhäusern der weiß-blauen Metropole erinnert man heute daran, daß sich in Bayern selbst keine potenten Kreditgeber für das Projekt gefunden haben. Die expansionslüsternen Hessen sind seinerzeit ohne Konkurrenz bei Schwabylon eingestiegen. Für die monströse Mixtur aus Hotel („Holiday Inn“), Bürohaus, Shopping-Center, Vergnügungsstätte, Sport- und Erholungsanlage gab die Hessische Landesbank nicht nur den größten Teil der 80 Millionen Mark Hypotheken, sie plazierte auch mit Erfolg für 72 Millionen Mark Zertifikate ihres „Fonds 2000 – Objekt 01 Schwabylon“, wobei den 5000 Anlegern eine Rendite von 6,5 Prozent zugesagt wurde.

Inzwischen erscheint es allerdings fragwürdig, ob die Rechnung aufgeht, denn niemand bestreitet mehr, daß das Konzept für Schwabylon nicht stimmt. In München läuft schon das böse Wort vom „Proletenparadies“ um. Besucher klagen über den rüden Ton des Aufsichtspersonals auf der von Weltmeister Manfred Schnelldorfer betreuten attraktiven Kunsteisbahn und über den schlechten Service der Gastronomie. Die Mieter von Boutiquen kürzen ihre Mieten mit der Begründung, daß die Anlage noch immer nicht ganz fertiggestellt ist und ihr Umsatz sehr zu wünschen übrigläßt.

„Das ist alles ein Managementproblem“, jammert ein Betroffener. Die Verwirrung ist so groß, daß sich beispielsweise nicht einmal feststellen läßt, wer eigentlich die Pommes-frites-Automaten aufgestellt hat, deren Düfte die Eingangshalle durchziehen.