In den vergangenen Jahrzehnten sind schon zahlreiche Produktionen sportlichen Inhalts gedreht worden. Auch die deutschen Firmengruppen haben immer wieder Versuche unternommen: Neben den beiden Fußballfilmen „Die Elf-Teufel“ mit Gustav Fröhlich und Berlins unvergessenem Fußballidol Hanne Sobek als Double, dem Stemmle/Huppertz/Kirn-Farbfilm der Münchner Bavaria „Das große Spiel“ und dem Schalke-Milieu mit Gustav Knuth, René Deltgen, Josef Sieber, Heinz Engelmann und einem Teil der deutschen Vorkriegsnationalmannschaft unter der fachlichen Betreuung Sepp Herbergers, dem Viktor-de-Kowa-Film „Der Läufer von Marathon“, einigen weiteren Versuchen aus der immer zugkräftigen Pferdesportwelt sowie der Wintersportatmosphäre mit Sonja Henie, Karli Schäfer, Toni Sailer und Ina Bauer waren es in der Hauptsache Boxerfilme.

Max Schmeling machte vor 40 Jahren mit der unvergessenen Renate Müller und Olga Tschechowa in Reinhold Schünzels „Liebe im Ring“ und später unter Hans H. Zerlett mit seiner Frau Anny Ondra in „Knock out“ den Anfang. Der Berliner Halbschwergewichtler Heinz Seidler setzte diese Reihe der Boxerfilme zu Beginn des letzten Kriegs mit „Die letzte Runde“ zusammen mit dem alten Haudegen Paul Samson-Körner, der amerikanisches Englisch mit sächsicher Untermalung sprach, fort. In diesen Produktionen wurde in den meisten Fällen um bekannte und beliebte Sportler – wie seinerzeit mit Gustav (Bubi) Scholz – eine Rahmenhandlung konstruiert. Der „richtige“, der „echte“ Sportspielfilm, dem die Hollywood-Studios mit einem Autotomobil-Sportspielfilm mit Clark Gable als „Held“ und einem Dokumentarreißer aus Sullivans Tagen mit Eroll Flynn als Hauptdarsteller sowie Budd Schulbergs „Schmutziger Lorbeer“ am nächsten kamen, blieb jedoch immer noch aus.

Auch der mit viel Ballyhoo propagierte und mit viel Tamtam uraufgeführte Rina-Film mit dem vielsagenden Titel „Libero“, der bei der Premiere im Münchner Universum in Anwesenheit der Hauptdarsteller und Ehrengäste mit Bundestrainer Helmut Schön an der Spitze sowie dem „Bayern“-Team und der Hennes-Weisweiler-Truppe aus Mönchengladbach mehr ein Jahrmarkt der Eitelkeit wurde, erfüllte die Erwartungen nicht. Im Gegenteil: Die Handlung, mit Fußballstar Franz Beckenbauer und seinem vielköpfigen Familienclan in der Hauptrolle, ist wirr, fußballirreal und in manchen Phasen und Szenen geradezu peinlich. Im Mittelpunkt des Wirkens des Kapitäns und Liberos, also des „freien Mannes“, als Mensch und Sportler steht das Handikap, das Fußball und Privatleben einschließen. Als sogenannte dramatische Zuspitzung stehen skrupellose Manager, die versuchen, das Volksidol für ihre Zwecke auszunutzen. Sie setzen laut Skript das große Geld ein, um mit Namen, mit einem Mann, den Millionen verehren, bestaunen und bewundern, den größten Gewinn zu machen. Dagegen soll der natürlich in Farbe gedrehte abendfüllende Streifen nach Ab- und Ansicht der beiden Autoren Engelmann und Wicker ebenso von Freundschaft, von Aufopferung, von Bewunderung und Verehrung, von Einsatzfreude, aber auch von Enttäuschung, Angst, Versagen und Verzweiflung und grenzenlosem Glück des Siegens berichten, das aus dem Mann erst den wirklich „freien Mann“ macht, den „Libero“.

Apropos Gewinn zu machen: Das wollte und will sicher auch die Rina-Produktionsgruppe. Und ist auch ihr gutes Recht. Auch die Spekulation, Franz Beckenbauer als Publikumslokomotive zu benutzen und ihm dafür 200 000 Mark als Honorar auf den Tisch des Eigenheims zu blättern, ist normal und in Filmkreisen üblich. Wie sehr man aber von der Planung bis zu den Drehtagen und den späteren Schnitt-, Misch-, Nachsynchronisations- und Musikaufnahmewochen finanziell strapaziert wurde und das Anfangsbudget überzog, geht daraus hervor, daß man zusätzlich Finanzspritzen auch noch einmal unmittelbar vor dem Premierentermin aus jenen Kreisen benötigt, die – wie der Münchner Pseudo-„Konsul“ Weyer – Dauerschlagzeilen in Boulevardzeitungen lieferten.

Das Positivste in diesem Film: Die ausgezeichnete Photographie, die besonders dann in farbigschönsten und einprägsamsten Phasen zur Geltung kam, wenn wirklich Fußball gespielt und Franz Beckenbauer als rastellihafter Ballartist dabei von keinem anderen Mit-„Spieler“ erreicht wird.

Der Rest ist Schweigen...

Ludwig Maibohm