Wenn ich Uri Geller wäre, dann würde ich nicht mit Gabeln und Uhren tingeln gehen, mich nicht für Geld sehen lassen. Nein, wenn ich Uri Geller wäre, verdiente ich viel mehr Geld als der junge Israeli und auf viel bequemere Weise. Denn wer mit Geisteskraft stehengebliebene Uhren wieder in Gang setzen kann, also komplizierte Maschinen, die hunderterlei verschiedene Fehler haben können, zu reparieren vermag – zudem über viele Kilometer hinweg –, wer solches zuwege bringt, dem muß es leichtfallen, bei der wöchentlichen Ziehung der Lottozahlen den – vergleichsweise simplen – Glücksapparat so zu beeinflussen, daß er die gewünschten sechs Richtigen auslost. Einmal pro Woche knapp fünf Minuten ein wenig konzentrieren, und schon wäre die nächste halbe Million gewonnen.

Doch auch wenn ich wie Uri Geller in Varietés und im Fernsehen aufträte, würde ich vieles anders machen als der Meister mit der großen „power“. Nehmen wir seine Nummer in Wim Thoelkes „Drei-mal-neun“-Show in der letzten Woche. Da lag allerlei Besteck auf dem Tisch. Uri verteilte davon ein paar Gabeln, und das geschah in höchst verwirrender Art. Jeder halbwegs geschickte Zauberkünstler hätte mangels „power“ diese Unordnung ausgenutzt, um flugs eine präparierte Gabel in die richtige Hand zu manipulieren. Alles Weitere wäre nur noch ein billiger Trick gewesen, einer, den man im Fachgeschäft für Amateurzauberer kaufen kann.

Ich hätte zum Beispiel Herrn Thoelke eine Gabel seiner Wahl mitbringen, vor der Fernsehkamera aus der Rocktasche ziehen und der hübschen Rabea in die Hand legen lassen, damit jeder sieht, daß hier nichts getrickst, daß nur die reine Psydio-„power“ am Werke ist.

Auch das Uhrenmirakel hätte ich sorgfältiger ausgeführt als Uri Geller. Kein Fernsehzuschauer hatte vorher nachprüfen können, ob die vorgelegten Armbanduhren wirklich alle stillstanden. Sie lagen – merkwürdig, merkwürdig – allesamt mit dem Zifferblatt auf der Tischplatte. So konnte ein ungläubiger Thomas kaum umhin anzunehmen, daß eine Uhr, nämlich just diejenige, die nachher fröhlich tickte, dies auch vorher schon getan hatte. Der beisitzende Uhrmacher schien mir sogar solches andeuten zu wollen, aber er kam nicht zu Wort. Seine schüchtern geäußerte Bitte, die Uhr zu untersuchen, wurde ihm rundweg abgeschlagen.

Schade, daß das Bilderraten nicht geklappt hat. Das wäre als einziges der drei vorgeführten Experimente über jeden Verdacht erhaben gewesen, weil da ein vereidigter Notar seine unbestechliche Kontrolle im Spiel hatte. Vielleicht mag Uris „power“ solche Kontrollen nicht.

Ich hatte schon im Herbst 1972 Gelegenheit, mit Uri Geller zu sprechen. Damals führte er mir in einem Privatissimum ein paar Kunststückchen vor. Einmal mußte ich mit einem dicken Filzstift („hört, hört“, sagte da jeder versierte Magier) eine Zahl auf ein Stück Papier schreiben, während sich Uri diskret abwendete. Ich schrieb eine 4. Dann sollte ich mich auf das Geschriebene konzentrieren – in Englisch, bat der Meister. Weil ich unendliches Vertrauen in seine „power“ habe, konzentrierte ich mich auf eine Fünf. Ich sah die 5 vor mir und dachte nichts als „five“, „five“. „Bitte noch stärker konzentrieren“, forderte Uri mich auf, und noch stärker dachte ich „five“.

Es klappte vorzüglich. Uri Geller wußte, daß ich eine Vier geschrieben hatte. Meine Fehlkonzentration hatte ihn also nicht verwirrt (vonnöten war sie offenbar auch nicht).