Offensiver als früher sprechen die westlichen Delegierten heute über die verstärkte Aufrüstung des Warschauer Paktes seit dem Überfall auf die ČSSR 1968. In Mitteleuropa ist der Osten zur Zeit überlegen. Deshalb will die Nato durch einen ungleichen Abbau die Heeresverbände beider Seiten auf den gleichen Stand von etwa 700 000 Mann senken. Das Gegenteil erstrebt die andere Seite mit dem verführerisch-konkreten Vorschlag, schon vom kommenden Jahr an je 20 000 Soldaten aus Mitteleuropa abzuziehen.

Auf Widerstand trifft auch der westliche Wunsch, den Nachteil der ungleich größeren Entfernung einmal abgezogener US-Truppen dadurch auszugleichen, daß die Amerikaner nur Soldaten ohne Ausrüstung – manpower –, die Sowjets aber ganze Einheiten zurückführen, zum Beispiel einen Teil der Panzer. Dem Vorschlag, in der ersten Phase ausschließlich amerikanische und sowjetische Truppen zu reduzieren, hat jetzt der tschechoslowakische Delegationsleiter noch einmal lakonisch entgegengehalten: Im Protokoll sei nicht von zwei, sondern von elf unmittelbaren Teilnehmern am Truppenabbau die Rede. Moskau geht es weniger um die Amerikaner. Osteuropäische Kommentatoren erwähnen heute am häufigsten die Bundeswehr, die verkleinert werden soll.

Trotz aller Gegensätze sind in Wien – nach monatelangem Vorgeplänkel – die Verhandlungen seit Ende Oktober doch besser vorangekommen als erwartet:

erstens: Beide Seiten sind sich über den räumlichen Umfang einig, sonst hätten überhaupt keine militärischen Daten auf den Tisch gelegt werden können;

zweitens: Die östlichen Delegierten stellen ihre militärische Überlegenheit in Mitteleuropa nicht grundsätzlich in Abrede;

drittens: Beide Seiten sind sich zumindest darüber einig, daß auch sowjetische und amerikanische Truppen abgezogen werden, und

viertens: daß beim Truppenabbau nicht nur ein Schritt genügt. Der Westen spricht von "Phasen", der Osten von "Stufen".