Bislang hatte man es noch für einen Spaß halten können. Warum soll nicht ein geschickter Trickkünstler ein paar leichtgläubigen Leuten weismachen, er verfüge über geheimnisvolle Kräfte, mit deren Hilfe er Gabeln verbiegen, Uhren und Maschinen beeinflussen oder hellsehen kann? Immer schon haben Gaukler die Sehnsucht simpler Gemüter nach dem Übernatürlichen auszunutzen verstanden, um Geschäfte zu machen oder Sekten zu gründen.

Doch inzwischen hat der Fall Uri Geller die Dimension einer gigantischen Volksverdummung angenommen, und da hört der Spaß auf.

In unserer von Massenmedien beeinflußten Welt ist kritisches Bewußtsein des einzelnen immer dringlicher geworden, weil dies die einzige Waffe ist, mit der sich der Zeitgenosse gegen die auf ihn einprasselnden Suggestionen kommerzieller und politischer Reklame, tendenziöser Berichterstattung oder verführerischer Einlullung zur Wehr setzen kann.

Just der Entwicklung dieses Schutzes ist der von Fernsehen, von Illustrierten und Boulevardblättern angeheizte Uri-Geller-Wahn entgegengerichtet. Wer solchem Wunderglauben Nahrung gibt, öffnet weit die so mühsam gerade halbwegs geschlossenen Schleusen, durch welche die Heilslehren politischer Phantasten oder wirtschaftlicher Ausbeuter in die Gemüter einfließen können.

Der Grund, warum die Boulevard- und Illustriertenpresse Gellers Hokuspokus als übernatürliche Vorgänge verkauft, ist offenbar. Man schreibt, was die Leute lesen wollen, damit die Kasse stimmt.

Warum aber wollen die Leute lieber von Wundern als von Tatsachen lesen? Ist das Leben so reizlos, daß wir nach Sensationen hungern?

Die Sehnsucht nach dem Unerklärbaren muß wohl in der menschlichen Natur gesucht werden, in einem seelischen Mechanismus, der die Flucht aus enttäuschender Realität ermöglicht. Wie alle Mechanismen dieser Art dürfte auch dieser eine in der Evolution begründete Aufgabe gehabt haben, die vielleicht darin bestand, primitive Gesellschaftsformen stabil zu halten, Hierarchien zu manifestieren. Doch wie uns heute manche andere, im Rudeldasein noch hilfreich gewesene Eigenschaft – etwa die Hackordnung – arg im Wege ist, müssen wir versuchen, auch die archaische Wundergläubigkeit zu überwinden.