Von Gunhild Freese

Der Aufstieg des Lords war unaufhaltsam. Seit der hanseatische Tabakkonzern Martin Brinkmann AG, Bremen/Hamburg, seine Zigarette "Lord Extra" 1962 ins Rennen um Marktanteile warf, ist ihr Vormarsch bislang noch nicht ins Stoppen gekommen. Derzeitige Marschposition: Platz zwei hinter der "HB" von British American Tobacco(BAT) mit einem Marktanteil von 13,3 Prozent (Spitzenreiter HB: 19,9 Prozent).

Auf einem Markt; wo "Erfolg und Mißerfolg so nahe beieinander liegen wie sonst nirgendwo", wo "die Ergebnisse minuziös ausgeklügelter Absatzstrategien und gezielter Werbekampagnen den hochgespannten Anforderungen hohnsprechen", war, so Brinkmann-Vorstandsvorsitzender Friedrich Kristinus, "der Lord-Erfolg dennoch keine reine Glückssache". Vielmehr gelang den Brinkmann-Managern bei der Konzeption der "Lord Extra" eine Reihe von günstigen Voraussetzungen, die sich bis heute als wahre Glückskombination erwiesen.

So machten sich die Zigarettenhersteller, die zu Beginn der sechziger Jahre von Bremen an HamburgsAußenalster überwechselten, schon 1961 für die leichte, nikotinarme Zigarette stark, obwohl die Raucher damals nichts für das milde Kraut übrig hatten. "Gesundheitszigarette", "nur für Frauen", "nichts für echte Raucher" waren die entmutigenden Äußerungen befragter Raucher.

Doch die Brinkmänner ließen sich nicht beirren. Auch die Filterzigarette war, so erinnerten sie sich, zunächst auf heftige Ablehnung der Verbraucher gestoßen. Friedrich Kristinus: "Wir haben Marketing gegen den Markt gemacht."

Zugute kam den Neu-Hamburgern, daß bereits eine nikotinarme "Lord" mit einem bescheidenen Monatsabsatz von dreizehn Millionen Stück am Markt war und bei vielen Rauchern einen gewissen good will besaß. Nach 50 Produktversuchen wurde der "Lord Extra" eine Extra-Tabakmischung verpaßt, die nicht nur "nikotinarm im Rauch", sondern auch "aromareich im Geschmack" war, wie der Werbeslogan seither unverändert verspricht.

Mit ihrer in der Zigarettenbranche seinerzeit als sensationell empfundenen Packung – an Stelle kräftiger Farben und verspielter Dekors ist dezentes Weiß vorherrschend machten Brinkmanns Hausdesigner die Produkteigenschaft auch äußerlich sichtbar. Das Packungsbild wurde bis heute nicht verändert.