Unter ähnlichen Umständen muß das ancien regime untergegangen sein: Während das Volk die Bastille stürmte, spielte man in den Salons Scharaden. Bei uns ist es nicht viel anders: Während Millionen BILD-Leser sich auf Uri Geller konzentrieren, diskutieren wir zynisch die Francabwertung und ihre Folgen für die nächste Paris-Reise. Dabei war die Schlagzeile der BILD-Zeitung nicht zu übersehen: "Heute macht Uri Geller sein größtes Experiment!" Ein Experiment exklusiv für BILD-Leser: "Setzen Sie sich heute kurz vor 17.30 Uhr an einen Tisch. Legen Sie diese BILD-Zeitung auf den Tisch, und legen Sie bitte eine Gabel oder einen Löffel oder eine kaputte Uhr auf die Zeitung. Lassen Sie Ihre flache Hand auf dem Gegenstand ruhen ... Denken Sie konzentriert an Uri Geller ..."

Was dann passiert, weiß nicht einmal Uri selber. "Es kann Nebeneffekte geben", warnt er die BILD-Leser. "Vielleicht geht bei Ihnen plötzlich das Licht aus..."

Wie gesagt, während sich die dumpfe Masse amüsiert, konzentrieren sich verantwortungsbewußte Zeitgenossen auf den Löffelverbieger Uri Geller, den Schrecken der Uhrmacher.

16.55 Uhr. Damit meine Kinder später nicht vorwurfsvoll fragen können: "Und was hast da getan, als Uri Geller sein Experiment in der BILD-Zeitung machte?", habe ich mir schnell noch ein letztes Exemplar gekauft. (Kostet übrigens auch nicht mehr 10 Pfennig wie früher, sondern 30! Erster Nebeneffekt des Experiments: 30 Pfennig minus.)

17.15 Uhr. Verzweifelt nach Löffel oder Gabel gesucht. Entdecke, daß alle in der Spülmaschine. Versuche Waschvorgang zu unterbrechen. Zweiter Nebeneffekt: Küche überschwemmt.

17.19 Uhr: Stelle fest, daß alle Uhren im Haus in Ordnung. Entscheide mich nach kurzer Überlegung für Großvaters Taschenuhr, 18 Karat, Sprungdeckel, Monogramm "FG". Wieso "FG"? Opa hieß doch Siebeck!? Dritter Nebeneffekt: Anne meine wahre Herkunft: WS, der Bastard.