Personalveränderungen im Kreisverkehr gab es im Wirtschaftsministerium, dem Kanzleramt und dem Ernährungsministerium. Vom Wirtschaftsministerium ging Ministerialrat Gunther Wegge (Agrar- und Ernährungsreferat) ins Kanzleramt zur Wirtschaftsabteilung von Ministerialdirektor Manfred Lahnstein. Wegge übernahm die Leitung der Referatsgruppe, die mit Fragen der Agrar- und Ernährungspolitik sowie der europäischen Wirtschaftsintegration betraut ist. Wegge-Vorgänger auf diesem Posten, Reinhard Strehlke, wechselte ins Ernährungsministerium über. Er wurde Leiter der erst vor einiger Zeit neu gebildeten Planungsabteilung, die bislang von dem in Ruhestand getretenen Ministerialdirektor Kurt Hafner geleitet wurde. Strehlke wurde kürzlich zum Ministerialdirektor befördert. Das Referat von Günther Wegne im Wirtschaftsministerium übernahm Ministerialrat Dr. Jochen Grünhage.

Ministerialrat Dieter Wolf aus dem Wirtschaftsministerium ist die längste Zeit persönlicher Referent von Minister Hans Friderichs gewesen. Wolf wird aufsteigen. Er soll ein eigenes Referat in der geplanten Unterabteilung Wettbewerbspolitik bekommen. Für die Leitung dieser Unterabteilung ist Ministerialrat Wolfgang Kartte fest im Gespräch. Kartte winkt damit auch der Posten eines Dirigenten.

Entschieden ist bislang noch nicht, wer die Nachfolge von Werner Lamby, bisher Ministerialdirektor und Leiter der Abteilung für das industrielle Bundesvermögen im Finanzministerium, antreten wird. Lamby wurde. Vorstandsmitglied bei der bundeseigenen Viag (Vereinigte Industrieunternehmen AG). Nach den Vorstellungen von Finanzminister Helmut Schmidt sollte die Abteilung in die Hände eines Managers aus der freien Wirtschaft gelegt werden. Dem Minister schwebte ein „one-dollar-man“ vor. Damit hatte Schmidt bereits im Verteidigungsministerium gute Erfahrungen gemacht. Der jetzige Krupp-Chef Ernst Wolf Mommsen diente ihm als Staatssekretär für Fragen der Rüstung. Allem Anschein nach aber liegen bisher wenig Angebote aus der Wirtschaft für den freien Posten vor, so daß die Abteilung womöglich doch wieder in Beamtenhände gerät. Einen Anwärter gibt es bereits, und zwar aus dem Wirtschaftsministerium. Es handelt sich um den Ministerialdirigenten Ernst Pieper, der sich bei Friderichs bereits um die Industriebeteiligungen des Bundes gekümmert hat Bekäme Pieper den Zuschlag, hätte Schmidt einen doppelter. Vorteil: Pieper kennt die Materie, und Friderichs verlöre den Mann, der ihm als eine Art Aufpasser über die Vorgänge in der Industrieabteilung bei Schmidt dienen könnte.

Seit es Wirtschaftsminister Hans Friderichs entgegen ursprünglichen Vorstellungen abgelehnt hat, den Vorsitz im Aufsichtsrat der Gelsenberg AG zu übernehmen, ging ein Gerangel um diesen Posten los, der mit dem Erwerb eines großen Aktienpakets durch den Bund vakant geworden ist. Aufsichtsräte sind von Staatssekretären begehrte Ämter, weniger wegen der damit verbundenen Vergütungen, die ohnedies an den Bund abgeführt werden müssen, sondern wegen der Macht und des Einflusses auf solchen Positionen. Da Friderichs nun nicht mehr zur Debatte steht, läge es nahe, das Mandat bei Geisenberg seinem Staatssekretär Detlev Karsten Rohwedder anzutragen. Fraglich jedoch ist, ob Finanzminister Helmut Schmidt nicht doch lieber jemandem aus seinem Hause diesen Posten sichern möchte, obwohl er zuvor die Lösung Friderichs selbst angesteuert hat. Da nun jedoch Staatssekretäre zur Debatte stehen, ist eine neue Lage eingetreten. Immerhin hat Schmidt zwei beamtete (Karl Otto Pohl und Manfred Schüler) und zwei parlamentarische Staatssekretäre (Hans Hermsdorf und Konrad Porzner). Sobald Hans Hermsdorf sein Amt verläßt – er wird Präsident der Hamburger Landeszentralbank –, wird ein Nachfolger für ihn fällig. Im Gespräch ist dieser Nachfolger bereits: Wenn es nämlich nach dem in der SPD üblichen Personalprotokoll („nachrücken“ genannt) geht, käme nur Karl Haehser, stellvertretender Vorsitzender im Haushaltsausschuß des Bundestags, in Frage.

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Im bisher üblichen Dreimonatsturnus kehrte dieser Tage erneut das Gerücht wieder, der Staatssekretär im Entwicklungshilfeministerium, Karl-Heinz Sohn, werde sein Amt verlassen und in Frankfurt den Posten des Vorstandssprechers bei der KW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) übernehmen. Obgleich auch für Personalgerüchte gemeinhin das Motto gilt, „Wo Rauch ist, ist auch Feuer“, wird die Sohn-Spekulation so eindeutig dementiert, daß Zweifel nicht bleiben. Nach dem Ausscheiden des bisherigen Vorstandssprechers Otto Rieck übernahm das bisherige Vorstandsmitglied Hermann Müller diesen Job. Damit waren die Hoffnungen von Hans Erich Bachem, der gleichfalls im Vorstand war, den Posten zu bekommen, dahin. Bachem war dienstälter als Müller und bisher war stets der Dienstälteste zugleich auch Sprecher. Müller hingegen hat den Vorzug, der FDP anzugehören. Er war vor Jahren Finanzminister in Baden-Württemberg, FDP-Landesvorsitzender und stellvertretender Bundes Vorsitzender. Bachem selbst ist aus dem KW-Vorstand ausgeschieden.

Armin Grünewald, früher Wirtschaftsjournalist, jetzt stellvertretender Regierungssprecher im Presse- und Informationsamt, hat sich neuerdings einen persönlichen Referenten zugelegt. Diese Funktion übernahm Renko Thiemann. Offiziell hatten bislang nur Minister und Staatssekretäre persönliche Referenten, die als solche in den Organisationsplänen der Ressorts ausgewiesen sind.

Wolfgang Hoffmann