Warum das Hotel- und Kongreßzentrum in Travemünde acht Millionen Mark braucht

Selten ist ein Unternehmer von Wirtschaftsjournalisten so hoch gelobt worden wie Hans-Joachim Gommolla, Chef der Finanz-Bau- und der Maritim-Gruppe. Gommolla wurde als „Senkrechtstarter im deutschen Hotelgewerbe“ klassifiziert, in dem er erst seit 1960 tätig ist. Das in Hamburg erscheinende „Manager-Magazin“, sonst eher auf Kritik eingestellt, pries Gommollas Kombination von Hotel, Kongreßzentrum und luxuriösen Eigentumsappartements in hohen Tönen.

Wie es scheint, wird sich diese Kombination aber erst noch bewähren müssen. Denn seit einigen Wochen gilt Gommolla zumindest in Finanzkreisen nicht mehr unumstritten als Wunderknabe. Allein darin, daß er im vergangenen Jahr vier Hotels und Kongreßzentren (Travemünde, Kiel, Timmendorf und Braunlage) eröffnet hat, wird noch keine überzeugende unternehmerische Leistung gesehen. Nun muß Gommolla erst beweisen, daß er die früher seinen Geldgebern vorgelegten Rentabilitätsberechnungen auch verwirklichen kann.

Im Hotel- und Kongreßzentrum Travemünde jedenfalls ging Gommollos Rechnung bisher nicht auf. Ein halbes Jahr nach Eröffnung wurden 600 Kommanditisten zur Kasse gebeten. „Wenn alle ihren Kapitalanteil um ein Viertel aufstocken“, so beschwor Gommolla seine Geldgeber auf der letzten außerordentlichen Gesellschafterversammlung, „kann das Loch in der Kasse (etwa acht Millionen Mark) gestopft werden.“

Ursachen des Verlustes, so dozierte Gommolla, seien neben Baupreissteigerungen im wesentlichen Anlaufschwierigkeiten. Die Konjunkturberuhigung lasse es vielen Unternehmen geraten erscheinen, auf kostspielige Tagungen zu verzichten. Auch die Energiekrise bemühte der Maritim-Manager, um die Kassennot zu erklären.

Kenner der Materie sehen aber auch noch andere Ursachen. Ein Blick in die Berichte der Wirtschaftsprüfer zeige eindeutig, daß die Gründe für die heutige Misere schon in der Entstehungsgeschichte des Hotels zu suchen seien.

Bei Gesamtkosten von 64 Millionen Mark steuerten die Kommanditisten 26 Millionen Mark bei. Die I. Hypothek gab die Schleswig-Holsteinische Landesbank. Die Finanz-Bau und die Maritim-Hotelgesellschaft, die beide Gommolla und dem Architekten Günter Reinhardt in Bad Salzuflen gehören, sind mit knapp acht Millionen Mark am Kommanditkapital beteiligt, haben also ein unternehmerisches Risiko übernommen. Diese Tatsache hat viele Geldgeber bewogen, ins Maritim-Travemünde Geld und Vertrauen zu investieren.