DIE ZEIT

Das Messer gewetzt

Man solle es ja nicht tun, sprach, der Demokrat Horst Ehmke, aber dann tat er es doch: Weil er sich über die Rede eines Oppositionspolitikers geärgert hatte, beschimpfte der Minister die Süddeutsche Zeitung, die sich unterstanden hatte, jene Rede nachzudrucken.

NDR-Trauerspiel

Auf dem Weg, die öffentlichen Rundfunkanstalten mehr und mehr in ihren Besitz zu nehmen, sind die Parteien wieder ein gutes Stück vorangekommen.

Europa in der Talsohle

Von Walter Hallstein, ist das Wort überliefert, der Aufbau Europas sei mit dem Radfahren zu vergleichen: auf der Stelle treten heiße umfallen.

ZEIT-Forum: Ölkrise - Episode oder Ende einer Ära?

Ist die Ölkrise eine Episode oder markiert sie das Ende einer Ära? Niemand weiß es bisher genau. Um hier Klarheit zu schaffen, hat die ZEIT sechs führende Fachleute eingeladen, die wirtschaftlichen, währungspolitischen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Ölpreiserhöhungen zu durchdenken.

Frei in der Fremde

Wir haben alle aufgeatmet: Alexander Solschenizyn ist vom Kreml verurteilt und vertrieben worden. Immerhin: er lebt. Zu Stalins Zeiten hätte er keine Chance gehabt.

Zeitspiegel

Südkorea steuert mit zunehmender Geschwindigkeit einer schweren Krise entgegen. Mit Terror und Unterdrückung versucht Präsident Park Chung Hee ihr noch einmal auszuweichen.

Europäisch-amerikanische Beziehungen: Am Rockschoß von Onkel Sam

Das Schlußbild der Washingtoner Energie-Konferenz war trügerisch. Frankreich isoliert in der Trotzecke, die übrigen acht Gemeinschafts-Europäer Arm in Arm mit den Amerikanern – das Tableau spiegelte fast ungetrübte Eintracht zwischen den Vereinigten Staaten und ihren westeuropäischen Verbündeten vor.

Was will Frankreich?: Ein Rückfall in den Gaullismus

Nun bin ich endlich allein – und schon frage ich mich: mit wem?“ Ein Pariser Kommentator bezog dieses etwas frivole Zitat aus einer Komödie Sacha Guitrys auf den Abgang seines Außenministers von der Energiekonferenz in Washington.

Wolfgang Ebert: Erfolgsgarantie

Frankreich: Da es sich dabei um eine reine europäische Angelegenheit handelt, müssen wir unter diesen Umständen unsere Zusage zurückziehen und zugleich auf die Teilnahme von Saudi-Arabien und Libyen bestehen.

Nach dem Streik im öffentlichen Dienst: Die Legende vom schwachen Staat

Der Kreis der Angehörigen des öffentlichen Dienstes ist weit gezogen: Arbeiter und Angestellte des Bundes, der Länder oder Gemeinden oder einer anderen öffentlich-rechtlichen Körperschaft, aber auch Beamte und Richter sind öffentliche Bedienstete, Müllwerker, Kraftfahrer, Krankenschwestern, der Angestellte des Finanzamtes oder des Jugendamts, die Telephonistin bei der Post oder der Gleisarbeiter bei der Bundesbahn zählen dazu.

Adolf Arndt

An diesem Freitag wird Adolf Arndt in Berlin zu Grabe getragen. Eine heimtückische Krankheit hatte ihn schon Jahre, bevor er starb, dazu gezwungen, sich aus der politischen und forensischen Arena zurückzuziehen.

Atom-Spaltung

Mit der Ratifizierung des Atomwaffensperrvertrags und des damit verbundenen Verifikationsabkommens über die friedliche Nutzung der Kernenergie hat der Bundestag ein ebenso überständiges wie längst vergessenes Kapitel abgehakt.

Auf dem Wege zum Bürgerstaat

Als am 19. Januar 1920 der demokratische Abgeordnete Gustav Schneider über das erste Betriebsrätegesetz Bericht erstattete, wurden vor den Toren des Deutschen Reichstags in Berlin zwanzig demonstrierende Arbeiter erschossen, die im „rücksichtslosen Klassenkampf gegen die Soldknechte des Kapitalismus“ in das Parlament einzudringen suchten, um dagegen zu protestieren, daß die „Reichsregierung versucht, den Kapitalismus zu befestigen“.

Mitbestimmung: Erfolg der FDP

Nach wochenlangem Tauziehen zwischen den Koalitionspartnern SPD und FDP ist der Mitbestimmungskompromiß modifiziert worden. Streitpunkt war die mögliche Pattsituation im Aufsichtsrat bei der Wahl des Vorstandsvorsitzers.

Watergate: Bänder gefälscht?

Heftig reagierte das Weiße Haus auf einen Bericht der Washington Post, wonach zwei von Nixons Bändern nicht Originale, sondern Neuaufnahmen seien.

Streit um Verfassungsinhalt

Die Verfassungswirklichkeit und der Verfassungsauftrag in der Bundesrepublik werden von der Koalition und der Opposition unterschiedlich interpretiert.

Mehrheit für Sperrvertrag

Oppositionsführer Carstens hatte falsch kalkuliert: Fast die Hälfte seiner Fraktion fehlte, als am Dienstag voriger Woche über den Atomsperrvertrag intern abgestimmt wurde.

Aktuelle Krisenherde

Während israelische und syrische Artillerie einander Duell; lieferten, ging die Räumung des Suezkanal-Westufers durch israelische Truppen planmäßig weiter.

Industrie und Hafen: Bedrohter Spitzenplatz

Hamburgs Zukunft liegt noch im Wasser. Vor gut einem Jahrzehnt sicherte sich der Senat der Hansestadt in der Elbemündung vor Cuxhaven durch einen Geländetausch mit Niedersachsen das rund 200 Hektar große Inselchen Neuwerk und das Recht, im Wattenmeer einen Hafen „am tiefen Wasser“ zu bauen.

SPD: Als ob die Stadt ihnen gehörte

Wenn Heinz Ruhnau, Vizechef der SPD in Hamburg, einen Journalisten trifft, der mit ihm über die Wahl am 3. März sprechen will, kann er seinen Ärger nur schlecht verbergen: Am liebsten würde er den lästigen Besucher ins Kreuz treten.

CDU: Wind im Rücken

Hamburgs Christliche Demokraten freuen sich über den Wind: Den Sozialdemokraten bläst er ins Gesicht, sie spüren ihn in den Segeln.

Ohne Kumpel bist du nichts

Vier Jahre lang gibt es ihn nun schon, den „Werkkreis Literatur der Arbeits weit“, und es gibt ihn trotzdem. Trotzdem, obwohl er sich zum Ziel gesetzt hat, die „Situation abhängig Arbeitender“ darzustellen und dazu beizutragen, „die gesellschaftlichen Verhältnisse im Interesse der Arbeitenden zu verändern“.

Moskau ohne Solschenizyn: Verhaftung am Nachmittag

Moskau hat in diesen grauen Februartagen Augenblicke erlebt, die so dramatisch waren, daß sie sich nicht nur in die russische Literaturgeschichte eingraben, sondern auch unübersehbare Auswirkungen auf das intellektuelle Leben der Sowjetunion haben werden.

Zeitmosaik

Für mich stehen zum Beispiel der illegale Sturz der Regierung Allende und die Ausweisung Solschenizyns auf einem Blatt. Beide Fälle zeigen den moralischen Bankrott und den Systemverfall der Großmächte an.

Die neue Schallplatte

Die wohl kuriosesten Stücke dieser Sammlung: zwei kleine Pléden von Casals, „Les Rois Mages“ und „Sardana“, gespielt von 102 Violoncelli, Ständchen gewissermaßen für den Grandseigneur eines Instrumentes, dessen moderne Entwicklung ohne ihn nicht denkbar ist.

Kunstkalender

Die Düsseldorfer Ausstellung verdient schon deshalb Aufmerksamkeit, weil sie als eine Art Generalprobe für Ruthenbecks Auftritt in Venedig gedacht war.

ZEIT-Reporter Charlie op den Draht: Volkslied

Vor einiger Zeit äußerte sich Günter Grass zur Wahl des Bundespräsidenten und machte dabei deutlich, daß er den Kandidaten Walter Scheel nicht gut findet, denn dieser „legitimiert sich mit einer Schallplatte und volkstümelt“.

Filmtips

„Der blauäugige Bandit“ von Carlo Lizzani wandelt politisch indifferent, soziologisch unbeholfen und historisch oberflächlich auf den Spuren von Francesco Rosis brisanter Halbdokumentation „Wer erschoß Salvatore G.

Der Nachlaß vom Dachboden: Träume im Spiegel

Der 1970 in Wien verstorbene österreichische Schriftsteller Herbert Zand gehört, so scheint es, bis heute zu jenen Autoren, die immer aufs neue wieder entdeckt werden, ohne daß bislang sein Werk der literarischen Öffentlichkeit recht präsent geworden wäre.

Kritik in Kürze

„Anton Bruckner – Musik und Leben“, von Leopold Nowak. Die Methode, mit der man Bildzeugnisse über das Leben und die Umwelt eines Komponisten sammelt und arrangiert, ist von den Vorstellungen abhängig, die man vom Sinn der Musiker-Biographie als wissenschaftlicher Gattung hat: Die Akzentuierung des Privaten schließt die ästhetische Überzeugung ein, daß musikalische Werke als Bruchstücke einer tönenden Biographie zu verstehen seien.

Ein Realist schreibt sich frei: Das halbe Idyll

Wenn der Name der Reihe auf Umschlag und Titelseite eines Buches ebenso groß zu lesen ist wie der des Autors oder gar der Titel, dann ist es wohl nicht unerlaubt oder unfair, am Beispiel des Buches über die Reihe zu sprechen.

Phantasie-Porträts

Mario Praz, der große Anglist, nannte Walter Pater den „Dichter fragwürdiger, müder Seelen und anmutiger Stätten, die von der Trauer überschattet sind“, und diese Charakterisierung des eigentlich für seine „Studies in the History of the Renaissance“ (1873) gerühmten Autors wird nirgendwo anschaulicher als in Paters „Imaginary Portraits“ (1887), der Sammlung von Phantasieporträts, zu der auch die jetzt wieder aufgelegte, von Alastairs Zeichnungen auf das seltsamste akkompagnierte Geschichte des „Sebastian van Stork“ gehört.

Theater in München: Wuppertal am Amazonas

Wie freundlich, wie gefährlich ist der Mond? Für Lieschen, eine Figur aus dem Stück, ist er so rot wie ein "ausgelaufen Aug", und deshalb kann das Mädchen nicht schlafen bei so einem Mond, spaziert somnambul über das Dach ihres Vaterhauses.

Ausstellung in München: Utopische Gemeinschaft

„... Danach begannen einige junge Leute, Männer und Frauen, zu zittern und sich auf die schrecklichste Art zu schütteln. Zuerst sah ich, wie sich ihre Köpfe langsam von einer Schulter zur anderen bewegten.

Farbe im uniformen Programm

Mit süßsaurem Gesicht müssen ZDF-Vertreter seit Jahren Lob und Preis für eine Sendereihe hinnehmen, die befreundeten Politikern, den Arbeitgebern und vielen von ihnen selbst ein Dorn im Auge ist, die aber schon seit langem eine treue, feste, sonst kaum bedachte Stammkundschaft und Zuschauergemeinde hat und die zudem als das beste Jugendmagazin im deutschen Fernsehen gilt.

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