Saarbrücken

Zufrieden und mit noch größerem Selbstbewußtsein, als ihm ohnehin schon eigen, war der saarländische Ministerpräsident Franz Josef Roeder aus Paris heimgekehrt. Dem ersten „Staatsbesuch“ eines deutschen Länderchefs war das Pariser Protokoll in der Tat kaum etwas schuldig geblieben: Gespräche mit Premierminister Messmer, den Ministern Jobert, Fontanet und Lecat, Empfänge, Diners und der obligate Abstecher nach Burgund.

Freilich hat der äußere Glanz den Inhalt der Pariser Gespräche etwas verdunkelt, zumal einige Stunden, bevor er seinen Gast von der Saar empfing, Premierminister Messmer allzu großen Hoffnungen auf eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit eine klare Absage erteilt hatte. Die Idee einer organischen Zusammenarbeit zwischen französischen und benachbarten ausländischen Regionen, so hatte Frankreichs Regierungschef vor dem Regionalrat der Region Rhone-Alpen in Lyon erklärt, solle man sich aus dem Kopfe schlagen.

Also Abschied von Saarlorlux? So deuteten es die beiden lothringischen Zeitungen, von denen eine sich bester Beziehungen zum französischen Ministerpräsidenten rühmen darf. Und Pierre Messmer, Ex-Elsässer und Neu-Lothringer, weiß wie kein anderer, wovon er spricht. Sein Machtwort bedeutet wohl die endgültige Absage an eine engere, institutionelle Zusammenarbeit zwischen Lothringen, dem Saarland und Luxemburg. „Sprechen Sie mir nicht vom Europa der Regionen“, sagte Staatspräsident Georges Pompidou in Poitiers, „es läßt mir die Haare zu Berge stehen.“

Für gewisse Kreise inner- und außerhalb Lothringens, die über die bestehenden Grenzen hinweg wirtschaftlich wie raumordnerisch eine „europäische Kernregion“ wünschen, war das eine kalte Dusche, unter der auch die Hoffnung fortgespült wurde, die neu geschaffenen regionalen Institutionen Lothringens, Regionalrat wie Wirtschafts- und Sozialausschuß, könnten sich mit der Zeit zu Sprechern der Region auch gegenüber den Nachbarregionen jenseits der Grenze fortentwickeln. Das Gefälle in der „institutionellen Infrastruktur“ des Saarlorlux-Raumes bleibt also bestehen: hier der souveräne Staat Luxemburg, da das relativ autonome Bundesland Saarland, dort die schwache Region Lothringen.

Und dies wird so bleiben – Frankreichs Regionalreform ist eine Minireform gebleiben. Trotz der regionalen Parlamente liegt die Macht bei dem von Paris eingesetzten Präfekten. Die Region dürfe sich weder, so grenzte Pompidou ihre Rolle in Poitiers ein, zu einer dritten – zwischen Departement und Zentrale – Verwaltungsebene fortentwickeln, noch zu einer Waffe gegen das Departement noch gar zu einer Opposition gegen den Staat werden.

Solcher Zentralismus, der die speziellen Probleme der Regionen negiert, kann freilich nach einer Studie der französischen Raumordnungsbehörde zu einem kuriosen Ergebnis im Jahr 2000 führen. Denn läuft die Entwicklung weiter wie bisher, dann heißt Lothringens Hauptstadt um die Jahrtausendwende – Saarbrücken.