Warum Helmut Greulich die Handwerkskammern aus ihrer Ruhe aufscheuchte

Von Peter Marchal

Für Bäckermeister und Schornsteinfeger, Bauunternehmer und Installateure ist die Welt nicht mehr in Ordnung. Jahrzehntelang waren sie und ihre Handwerkskammern von den Politikern geachtet, von den Gewerkschaften geschont. Sie durften sich als Stütze einer gewachsenen Ordnung und als Repräsentaten eines ebenso traditionsreichen wie leistungsfähigen Wirtschaftszweiges fühlen. Juristisch drückte sich dies im Status der „Körperschaft des öffentlichen Rechts“ aus, den die deutschen Handwerkskammern seit ihrer Gründung vor rund 100 Jahren haben.

Der 14. Dezember 1973 scheuchte sie aus ihrer Ruhe. Seitdem herrschen im Bonner „Haus des Deutschen Handwerks“ hektische Aufregung und Empörung, begleitet wohl auch von einem schlechten Gewissen.

An jenem Tage flatterte den sieben niedersächsischen Handwerkskammern ein Brief aus Hannover ins Haus, unterzeichnet von Staatssekretär Erich Bartsch aus dem Ministerium für Wirtschaft und öffentliche Arbeiten. Die Kammerherren entnahmen dem Brief nicht nur, wie üblich, eine Genehmigung ihres. Haushalts durch das aufsichtführende Ministerium. Unter Punkt zwei hieß es überraschend: „Es wird Ihnen hiermit aufgegeben, bis zum 1. März 1974 Ihren Austritt aus dem Zentralverband des Deutschen Handwerks zum Schluß des Rechnungsjahres 1974 zu erklären.“

Zu eng liiert

Was das Ministerium zunächst als reine Schilderung des Sachverhaltes folgen ließ, wird von der Kammer nicht bestritten: