Wer wissen möchte, was Amylasen sind oder was der Heßsche Satz besagt, wer alles wesentliche über Kernreaktionen, über Konservierungsmittel oder das Haber-Bosch-Verfahren erfahren will – wo schlägt er nach? Im „Römpp“.

Niemand nennt dieses Standardwerk mehr beim vollen Namen: „Römpps Chemie Lexikon“, das wieder einmal in einer völlig neubearbeiteten Auflage in der Franckh’schen Verlagshandlung in Stuttgart erscheint. Seit einem Vierteljahrhundert. ist das Werk den Chemikern, Chemiestudenten, den Biologen, Physikern, Ingenieuren und allen anderen vertraut, die häufig oder auch nur gelegentlich einen Begriff aus der Chemie begreifen müssen.

Seinen Namen hat das Lexikon vom Studienrat Hermann Römpp, der – nahezu allein – dessen erste Ausgabe geschrieben und bei Franckh im Jahre 1947 herausgebracht hat. Damals genügte noch ein Band, um das derzeitige chemische Wissen zu umfassen. Heute müssen für die von Otto Albrecht Neumüller zu 80 Prozent neuverfaßte siebte Auflage sechs Bände von 700 bis 800 Seiten Umfang herhalten. Sichtbare Zeichen für die Wissensexplosion in der Chemie? Zum Teil ja.

Zum anderen Teil liegt die Vermehrung des Inhalts (die sechste Auflage kam noch mit vier Bänden aus) daran, daß der neue Herausgeber „Organiker“ ist und deshalb endlich eine Lücke des bisherigen „Römpp“ schließt: Die organische Chemie kommt jetzt ausführlicher zu Wort.

Nicht unwesentlich tragen zur Ausdehnung des Umfangs auch die vielen Markenbezeichnungen für chemische Produkte – darunter auch Arzneimittel – bei, die in das Lexikon aufgenommen wurden, dazu die Eintragungen von Firmen und Persönlichkeiten und die sorgfältigen Hinweise auf Literatur und Bezugsquellen.

Wie soll man die Güte eines solchen Nachschlagewerks beurteilen? Der Fachmann vermißt sicher die eine oder andere Einzelheit aus seinem Spezialgebiet und mag manchen Artikel für nicht ausführlich genug halten. Dem Laien dürfte trotz des deutlichen Bemühens des Herausgebers, den Text allgemeinverständlich zu halten, vieles unbegreiflich bleiben, so etwa, wenn es unter dem Stichwort „Chelate“ heißt: „Verbindungen, in denen ein einzelner Ligand mehr als eine Koordinationsstelle an einem Zentralatom besetzt“.

Hier zeigt sich das Dilemma eines jeden Lexikons. Zwischen Kurzfassung und Verständlichkeit, tiefgreifender Information und Oberflächlichkeit hat der Lexikograph ständig Mittelwege zu finden. Wer also ein Lexikon beurteilen will, muß sich fragen, wie gut den Autoren viele tausend Kompromisse gelungen sind – wer vermag das schon?