Von Horst Bieber

Nicht auszurotten ist die Geschichte von der Abiturientin, die Journalistin werden möchte und auf die Frage, was sie denn zum Feuilleton ziehe, strahlend antwortet: "Da gibt’s doch Freikarten, und ich gehe so gerne ins Theater." Wer auf solch direkte Vorteile setzt, ist im Journalismus schlecht aufgehoben – übrigens auch, wer auf das ganz große Gehalt hofft, die Gesellschaftsordnung umstürzen will oder einen bequemen Job sucht.

Journalismus ist in der Regel ermüdende Arbeit, bei der weniger überschäumender Idealismus gefragt ist – den zerreibt die tägliche Routine und das ständige Arbeiten gegen die Uhr sehr bald. Wichtiger sind Zähigkeit, ein dickes Fell und die ständige Bereitschaft zur Selbstkritik, die dennoch nie in Resignation umschlägt. Außerdem sollte der Journalist über eine profannaive Neugierde verfügen, Veränderungen schon im Ansatz spüren und sich kräftig ärgern können – über. Fehler, Ungerechtigkeiten und Gleichgültigkeit (nicht nur bei anderen).

Ein Dichter braucht er nicht zu sein; die deutsche Sprache muß er freilich beherrschen und komplizierte Vorgänge anschaulich nacherzählen können. Eine Fremdsprache (Englisch) ist auf die Dauer unerläßlich, zwei sind besser.

Bis heute gibt es keine staatlich festgelegte Ausbildungsregelung. Normalerweise wird das Abitur vorausgesetzt, dem ein zweijähriges Volontariat folgt. Danach wird der Volontär als Jungredakteur übernommen. Allerdings gehen immer mehr Redaktionen dazu über, Akademiker (ein Hochschulabschluß verbessert die Aussichten) oder Bewerber mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung vorzuziehen. Von beiden Gruppen erwartet man, daß sie zusätzliche Erfahrungen in die Arbeit einbringen und gelernt haben, ein Problem systematisch anzufassen.

In diesen Fällen läßt sich auch über die Dauer des Volontariats reden, das bis auf zwölf Monate verkürzt werden kann; Studierende mit der festen Absicht, ihr Brot im Journalismus zu verdienen, sollten in den Semesterferien wenigstens einmal Stall-Luft schnuppern und bei einer Redaktion arbeiten.

Von den zahlreichen Sparten – Tages- oder Wochenzeitung, Nachrichtenagenturen, Illustrierte, Werkzeitschriften, Hörfunk und Fernsehen – empfiehlt sich immer noch das Volontariat bei einer Tageszeitung (Werbung, Public Relations und Pressestellen aller Art sind End-, selten Ausgangspositionen). Leider nimmt die Zahl der Vollredaktionen, die Volontäre ausbilden, ständig ab (1974: etwa 130; zehn Jahre zuvor: fast 270). Wer das Glück hat, einen der seltenen Plätze zu ergattern, merkt nur zu oft, daß er nicht ausgebildet, sondern als (billiger) Redakteursersatz verwendet wird. Darum sollte im Ausbildungsvertrag fixiert werden, daß der Volontär wenigstens kurzfristig in allen Redaktionen und Abteilungen eingesetzt wird.