Die DDR-Außenhändler stellen immer härtere Bedingungen

Bei der Leipziger Messe gilt die Bundesrepublik trotz aller Abgrenzungsbemühungen der DDR immer noch als Inland. Das jedenfalls muß man der DDR-Presse entnehmen: das SED-Blatt „Neues Deutschland“ meldet, „Sowjetunion in Leipzig größter Auslandsaussteller“. Die Bundesrepublik belegt aber auch diesmal wieder mindestens ebenso viel Ausstellungsfläche wie alle sozialistischen Länder zusammen.

Außergewöhnliche Geschäfte sind von der Frühjahrsmesse nicht zu erwarten. Im vergangenen Jahr ist der innerdeutsche Handel nur um fünf Prozent auf 5,6 Milliarden Mark gewachsen. Die Verkäufe in die DDR gingen sogar um ein Prozent zurück. Da auch im Handel mit der DDR die Preise gestiegen sind, ist der reale Warenumtausch bestenfalls gleichgeblieben.

So ist der Wert der ostdeutschen Mineialöllieferungen 1973 um 113 auf 272 Millionen Mark gewachsen, die gelieferten Mengen nahmen dagegen nur um zehn Prozent zu. Der Grund: Die DDR hat bei ihrer Preisfestsetzung nicht nur die Preisbewegungen der westlichen Ölkonzerne mitgemacht, sondern seit Beginn der Ölkrise im Herbst die jeweils höchsten Preise, die in Rotterdam galten, verlangt.

Ein entsprechender Bericht in der ZEIT (Nr. 3 vom 11. Januar) hatte im Bundeswirtschaftsministerium Erstaunen ausgelöst. Die Berliner Rex Handelsgesellschaft Schulte-Frohlinde, Hauptabnehmer für Mineralölerzeugnisse aus der DDR, hatte Bonn über die Preispolitik der roten Spekulanten nicht informiert. Im Wirtschaftsministerium heißt es dazu, es sei ein Irrtum zu glauben, Westberlin hänge von Heizöllieferungen aus der DDR ab.

Das Beispiel zeigt: Die DDR-Kaufleute werden immer härtere Verhandlungspartner. So wollen die gleichen Außenhandelsgesellschaften für ihre Verkäufe andere Geschäftsbedingungen durchsetzen als für ihre Einkäufe. Westdeutsche Lieferanten sollen beispielsweise für Maschinen strengere Garantien übernehmen, als sie die Maschinenbauer der DDR selbst gewährleisten wollen.

Nur in einem Punkt sind die DDR-Kaufleute großzügiger geworden. Bisher haben sie bei der Auslegung von Verträgen Streiks nie als „höhere Gewalt“ anerkannt, für die der Auftragnehmer nicht einzustehen habe. Streiks, so hieß es, seien Ergebnis kapitalistischer Praktiken, deren Folgen die Unternehmen selber tragen müßten. Bei Maschinen, deren westdeutsche Hersteller auf Zulieferungen aus Großbritannien wegen des Bergarbeiterstreiks vergeblich warten, drückt die DDR neuerdings ein Auge zu und demonstriert Solidarität mit den britischen Bergleuten: Höhere Gewalt wird anerkannt.