Am Rosenmontag haben das Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk (RWE) und das Bayernwerk den bisher größten Kraftwerksauftrag in der Geschichte der deutschen Elektrizitätswirtschaft vergeben: Die Kraftwerks Union AG, Mülheim, und die Hochtief AG, Essen, erhielten den Zuschlag für den Bau eines Doppelblock-Atomkraftwerks in Grundremmingen in Bayern. Die Mammutanlage soll mit einem Siedewasser-Reaktor ausgerüstet werden.

Die beiden Lieferfirmen erhielten den Auftrag, die Atomkraftwerke mit einer elektrischen Nettoleistung von je 1249 Megawatt schlüsselfertig zu errichten. Die Übergabe des ersten Blocks ist für den 1. Juni 1979 vorgesehen und die des zweiten ein Jahr später. RWE und Bayernwerk setzen damit die Reihe gemeinsamer Projekte fort: In den 60er Jahren haben sie in Grundremmingen bereits ein Demonstrations-Kernkraftwerk mit 250 Megawatt gebaut. Auch bei den neuen Blöcken beteiligen sich RWE mit 75 Prozent und das Bayernwerk mit 25 Prozent an der Bau-Betriebsgesellschaft.

Die beiden Kraftwerke werden zusammen mehr als zwei Milliarden Mark kosten. Der Standort Grundremmingen hat den Vorteil, daß kaum Proteste der Umweltschützer zu erwarten sind. Seit 1966 arbeitet dort das erste große deutsche Atomkraftwerk reibungslos. Neben der Siemens- und AEG-Tochter Kraftwerks-Union war vor Vergabe des Auftrages auch die deutsche BBC im Rennen.

In den kommenden Jahren ist eine Welle von Aufträgen zu erwarten: Bis 1985 sollen nicht weniger als 35 Anlagen mit zusammen 45 000 Megawatt in Betrieb genommen werden.