Das Verhältnis zur eigenen Vergangenheit ist für die Deutschen ein besonderes Problem. Diesseits der Elbe hat man sich zwar redlich um Bewältigung gemüht, aber dessen ungeachtet manche Fehler dabei gemacht. Drüben wurde versucht, die Vergangenheit – und die Vorvergangenheit auch gleich mit – nach der Methode tabula rasa zu bewältigen. Vor alles, was je gewesen war – Feudalismus, Monarchie, Hitlerei – wurde ein Vorhang gezogen. Es hatte einfach nicht existiert, so wie die jeweils ungeliebten sowjetischen Persönlichkeiten kurzerhand aus den Geschichtsbüchern gestrichen werden: Die Chronisten verzeichnen sie nicht, also hat es sie nie gegeben. In der DDR hat alles blütenweiß und neu angefangen. Die „erste deutsche Nation sozialistischer Prägung“ sollte, frei von Geschichte und Tradition, nur sich selber verpflichtet sein.

Zeugen der Vergangenheit konnte man da nicht gebrauchen. So wurde das Schloß in Berlin, jener einzigartige Barockbau Schlüters, der um 1700 entstanden war, 1950 gesprengt und dem Erdboden gleichgemacht desgleichen das Stadtschloß und die Garnisonkirche in Potsdam.

Die Residenz in München und das Charlottenburger Schloß waren ebenfalls schwer beschädigt, das Zarenschloß Peterhof bei Leningrad war total zerstört, und in der Altstadt von Warschau stand kein Stein mehr auf dem anderen. Alle diese Denkmäler aber sind mit unendlicher Liebe und Sorgfalt und unter großen finanziellen Opfern makellos wiederhergestellt worden.

Die DDR hat mit eigener Hand zerstört, was ihr überliefert war. Jetzt reklamiert sie Kunstschätze von uns. Es ist noch nicht lange her, seit die SED-Herren Depotbilder aus dem Besitz ihrer Museen verkaufen wollten, um Devisen zu bekommen. Wer hierzulande könnte da ihr Verlangen wohl ernst nehmen? Dff.