Eine Woche zuvor war er schon Weltmeister auf der „Normalschanze“ geworden; am vergangenen Samstag siegte Hans Georg Aschenbach aus der DDR auch im Skispringen um die Weltmeisterschaft auf der „Großschanze“: 104 und 101 Meter, Note 240,4. Vor einem Jahr schon hatte der 22jährige Thüringer in Oberstdorf sich die Weltmeisterschaft im Skifliegen gesichert. Er ist der unbestritten beste Skispringer, den es zur Zeit gibt, ein Mann, der eine Klasse für sich ist. Im gehörigen Abstand kamen auf die Plätze: ein weiterer Springer der DDR, ein Tscheche, ein Russe, ein Finne, zwei Tschechen, ein Japaner, ein Norweger, ein Schweizer (und auf Platz 23 erst der erste Springer aus der Bundesrepublik, Alfred Grosche aus Winterberg); und diese Aufzählung läßt erkennen, wie in diesem Paradewettbewerb des nordischen Skisports seine nordischen Protagonisten, die Skandinavier, nun vollends von der Vormacher- in die Mitmacherrolle zurückgedrängt worden sind.

Nach den Alpinen Skiweltmeisterschaften in St. Moritz wurden die Nordischen Skiweltmeisterschaften in Falun, in Schweden, entschieden. Für das Publikum hatten sie wohl nicht jenen Glanz und Glamour, der von halsbrecherischen Abfahrten und vom eleganten Slalom ausgeht. Irgendwie wirken die Lang- und Sprungläufer, die in Falun um die nordischen Titel kämpften, wie die ärmeren Verwandten der werbewirksamen und deshalb von der Ski-Industrie hochdotierten alpinen Pistenprominenz. Doch für den Kenner haben die nordischen Wettbewerbe immer noch einen höheren sportlichen Rang. Das hat historische Gründe: Am Anfang war eben das Skilaufen und nicht das Ski fahren; und als Kraft- und Mutprobe ist das Springen, der Sprunglauf, wie es korrekt heißt, wohl immer noch augenfälliger als die Schußfahrt über Steilhänge. Vor allem aber pochen die Anwälte des nordischen Skilaufs auf mehr „sportliche Tugenden“, auf höheren Trainingsfleiß etwa und die größere Rolle der Ausdauer, die das Handikap eines zunächst geringeren Talents wettmachen können.