Das Land Nordrhein-Westfalen machte seinen Frieden mit Joseph Beuys und finanziert eine

Joseph Beuys ist gerade von seiner ersten Amerika-Tournee zurück. Sie wurde, wie man der amerikanischen Presse entnehmen kann, zu einem wahren Triumphzug für den Mann aus Düsseldorf. Die faszinierende Mischung aus Mystik und Rationalität, aus Agitation und naiver Menschenfreundlichkeit ist gerade beim amerikanischen Publikum glänzend angekommen.

In der Bundesrepublik sind in letzter Zeit eine ganze Reihe von Publikationen erschienen, die sich mit seiner Person, seinem Werk und seiner Lehre beschäftigen. Sie könnten dazu beitragen, endlich den Weihrauch zu vertreiben, den seine Jünger ihm angezündet haben mit dem Erfolg, daß der Meister im Dunst verschwimmt.

Die Kunstkritik hat sich an dieser Vernebelungsaktion oft und gern beteiligt. Man braucht nur nachzulesen, wie sie auf den eben erschienenen Band der Beuys-Zeichnungen reagiert. In der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", zum Beispiel, werden die Zeichnungen als "magische Prozesse" charakterisiert, als "Spuren", die "über das Blatt hinaus" gehen und sich "als bloße Energien" mitteilen.

Mit solchen Sprüchen ist niemandem geholfen. Das ist ungefähr genauso nützlich, wie sich über die Fettecken des Joseph Beuys zu mokieren. Es ist witzlos, sich bei irgendwelchen Details aufzuhalten, ohne sie im Kontext von Werk und Theorie zu sehen. (Eine kritische Analyse versucht Helmut Schneider an Hand des umfangreichen Materials, das über Beuys und von Beuys geschrieben wurde, auf Seite 16.)

Beuys in seiner Theorie und in seiner Praxis: Erst von seinem Wissenschaftsbegriff her wird das von ihm geplante und lautstark propagierte Hochschulprojekt verständlich, das jetzt kurzfristig realisiert werden soll. Am 1. April wird die "Freie Internationale Hochschule für Kreativität und interdisziplinäre Forschung" in Düsseldorf ihre Arbeit aufnehmen, wenn alles gutgeht und die Bürokratie mitspielt. Gründungsrektor: Joseph Beuys.

Was die Hochschule soll und will, ist in einem Manifest niedergelegt, das letzte Woche der Öffentlichkeit übergeben wurde. In der Präambel heißt es: "Kreativität ist nicht auf jene beschränkt, die eine der herkömmlichen Künste ausüben, und selbst bei diesen ist sie nicht auf die Ausübung ihrer Kunst beschränkt. Es gibt bei allen ein Kreativitätspotential, das durch Konkurrenz- und Erfolgsaggression verdeckt wird. Dieses Potential zu entdecken, zu erforschen und zu entwickeln, soll Aufgabe der Schule sein."