Die politische Krise der Europäischen Gemeinschaft hat das Brüsseler Alltagsleben kaum verändert. Die Beamten fertigen Studien an und beraten mit Experten, die aus den nationalen Hauptstädten angereist kommen. Sie schreiben Berichte, die von ihren Abteilungsleitern nach oben weitergeleitet werden, bis die 13 Kommissare dann darauf einen Vorschlag an den Ministerrat formulieren.

Doch seit dem Austritt Frankreichs aus dem gemeinsamen Wechselkurssystem sind wichtige Aufgabenbereiche lahmgelegt: Die Wirtschafts- und Währungspolitik, die Energiepolitik, die Steuerharmonisierung, die Beziehungen zu Drittländern. Was bleibt, ist der EG-Agrarmarkt, aber auch da geschieht zur Zeit nichts, weil in zwei EG-Ländern gewählt wird.

Die Eurokraten arbeiten also nur noch für den Aktenkeller. Doch das mindert ihren Eifer offenbar nicht im geringsten. Sie würden wahrscheinlich auch dann noch mit gewohnter Emsigkeit beschriebenes Papier produzieren, wenn der Rat gar nicht mehr zusammentritt. Es würde sich ja im Grunde auch wenig ändern. Schon bisher, so klagte nämlich Kommissionschef Ortoli, habe sich der Rat zumeist darauf beschränkt, die Kommission zur Qualität ihrer Vorschläge zu beglückwünschen, Entscheidungen aber zu umgehen. hhb