DIE ZEIT

Test an der Elbe

Hamburg eröffnet am Sonntag die Serie der diesjährigen Landtagswahlen. Im Sommer folgt Niedersachsen, im Spätherbst sind Hessen und Bayern an der Reihe.

Signale aus Kuba

Nach vielen Monaten, in denen die Stagnation herrschte oder, bestenfalls Millimeterfortschritte erkennbar waren, kommen die deutsch-deutschen Verhandlungen anscheinend wieder in Fluß.

Geschichtslos?

Das Verhältnis zur eigenen Vergangenheit ist für die Deutschen ein besonderes Problem. Diesseits der Elbe hat man sich zwar redlich um Bewältigung gemüht, aber dessen ungeachtet manche Fehler dabei gemacht.

Vom Mißbrauch der Freiheit

Vor sechs Jahren, nach den Schüssen auf Rudi Dutschke und den Straßenschlachten von Ostern 1968, fragten sich viele in unserem Lande, ob am Ende Bonn nicht doch Weimar sei.

Lautloser Tod

Hundert Jahre mögen vergehen, ehe sich die Wälder in Südvietnam von den Folgen des amerikanischen Chemikalien-Krieges erholt haben.

Ein Kontrastprogramm für die Hanseaten

Das Hamburger Rathaus erscheint vielen Bürgern als ein besonders prächtiges Symbol hanseatischer Kontinuität und Macht. Die Ästheten freilich muß es eher verwirren.

Zeitspiegel

Die mit der Ehrenordnung des Bundestages verbundenen Anmeldepflichten haben unterschiedliche Resonanzen gefunden. Während sich in der Lobbyliste so viele tatsächliche und vermeintliche Interessen Vertreter drängen, als wäre sie ein Bonner Gotha, halten sich die Abgeordneten bei der Anmeldung von meldepflichtigen Nebeneinkünften zurück.

Folter in der Bundesrepublik?

Im August 1973 erschien das von Hans Magnus Enzensberger herausgegebene 32. Kursbuch mit einem schier unglaublichen Titel: "Folter in der BRD".

Amtsvorteile: Solo im Salonwagen

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Ernst Haar, hat einen Salonwagen der Bundesbahn zu Wochenendreisen benutzt.

OAS-Konferenz: Mexiko machte neuen Mut

Mißt man das Ergebnis an den vorher geäußerten Hoffnungen, so hat das Treffen der 24 mittel- und südamerikanischen Außenminister mit ihrem nordamerikanischen Kollegen Henry Kissinger wenig erbracht.

Wolf gang Ebert: Tempo, Tempo...

1. Auf dem Weg zu ihrem Ziel, unsere freiheitliche Verkehrsgrundordnung zu unterwandern, sind die Extremisten bereits auf der Autobahn angelangt.

Mitbestimmung: Prüfstein für die Koalition

Für die beiden Bonner Koalitionsparteien ist der Programmpunkt Mitbestimmung unversehens mehr geworden als nur eine wichtige gesellschaftspolitische Reform; er wurde zur Wegemarke des Bündnisses.

Probe aufs Exempel

So steht hier in der Natur / dieses Denkmal der Kultur – / doch es steht natürlich nur, / weil von Denken keine Spur." Mit diesem Vierzeiler hat der Bayerische Rundfunk das voraussichtliche Ende eines Vorgangs auf den Reim gebracht, der bislang durch eine Anhäufung von Ungereimtheiten gekennzeichnet ist.

Gastarbeiter und Energiekrise: Vorbeuge-Fristen

Bei den geringsten Anzeichen einer Krise wird krassester Nationalismus exerziert, und das noch mit einer Methode, die sonst nur in Diktaturen üblich und eigentlich auch dort nur möglich ist.

Berliner Freiheitsglocke: Neuer Klang

Heinrich Lummer, der Berliner CDU-Fraktionsvorsitzende im Abgeordnetenhaus, hatte es läuten gehört. In einer Parlamentsdebatte im Dezember 1971 faßte er den Unwillen der Opposition an den vom Senat mit der DDR ausgehandelten Zusatzvereinbarungen zum Viermächteabkommen in die Worte: „Die Freiheitsglocke hat einen neuen Klang bekommen!“ Und Lummer, so schien es, hatte recht.

Städteplanung: Merkwürdige Nachbarschaft

Daß Planer manches an Planlosigkeit fertigbringen, ist bekannt. Daß sie aber eine neue Fernschnellzugstrecke durch ein neues, hochverdichtetes Wohngebiet legen, hat zumindest den Reiz des Außergewöhnlichen.

„Ohrfeigen-Prozeß“: Ein Signal gegen Parteilichkeit?

Die Wiesbadener Richterin Petra Unger, 29 Jahre alt, war vorbereitet. Was ihr an eigener Praxis fehlte, hatte sie an den Beispielen lernen können, die von älteren Kollegen im benachbarten Frankfurt geliefert wurden.

Versöhnung mit Bengalen

Eine pakistanische Militärkapelle spielte die bengalische Nationalhymne. Die Regierungschefs beider Länder, Ali Bhutto und Scheich Mujibur Rahman, umarmten sich zögernd-verlegen: Dieser Versöhnungsakt der früheren Todfeinde bildete den umjubelten Höhepunkt der Islam-Konferenz in Lahore.

Zusagen an Lateinamerika

Das Treffen der 24 mittel- und südamerikanischen Außenminister mit Henry Kissinger endete am Montag in Mexiko City ohne greifbare Ergebnisse.

Dokumente der ZEIT – Peking und die „goldene Mitte“

„Beginnend mit Konfuzius, vertraten alle Repräsentanten der reaktionären Ausbeuterklasse die Doktrin der goldenen Mitte. Ihr Ziel war, alte Systeme, Ordnungen und Kultur zu verteidigen und Reform, Revolution und gesellschaftlichen Fortschritt zu bekämpfen.

Gromyko: Vierte Audienz

Zum vierten Mal hat Papst Paul VI. den sowjetischen Außenminister Gromyko am vergangenen Donnerstag in Privataudienz empfangen.

Aktuelle Krisenherde

Nach heftigen Unruhen in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba hat Kaiser Haile Selassie am Sonntag einen Preisstop für Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfs sowie Benzinpreissenkungen angeordnet.

Kissinger erneut in Nahost

Zuversicht ausstrahlend, landete der amerikanische Außenminister Kissinger am Dienstag in Damaskus, um ein Truppenentflechtungsabkommen auch zwischen Syrien und Israel zustande zu bringen.

Keine Ausrede fürs Scheitern

Genau ein Jahr ist es her, daß Bundeswissenschaftsminister Klaus von Dohnanyi seinen Entwurf für ein Hochschulrahmengesetz vorlegte.

Hohe Schule der Kreativität

Joseph Beuys ist gerade von seiner ersten Amerika-Tournee zurück. Sie wurde, wie man der amerikanischen Presse entnehmen kann, zu einem wahren Triumphzug für den Mann aus Düsseldorf.

Zeitmosaik

Während Alexander Solschenizyn sich der „Unverantwortlichkeit“ und dem „kindischen Benehmen“ der ihn in Deutschland und der Schweiz umlauernden Journalisten vorerst entzogen hat und nach Norwegen weitergereist ist, wo er sich niederzulassen hofft, produziert der Scherz Verlag weiter am Rekordobjekt „Archipel GULAG“.

Ohne Kumpel bist du nichts

Report über den „Werkkreis Literatur der Arbeitswelt“ (Fortsetzung und Schluß)

Filmtips

„Angst essen Seele auf“ von Rainer Werner Fassbinder. Eine rundliche ältere Putzfrau im Inge-Meysel-Look und ein viel jüngerer marockanischer Gastarbeiter lernen sich zufällig kennen und heiraten.

Kunstkalender

Man denkt, es seien nun schon ungefähr alle Werkstoffe auf ihre künstlerische Verwendbarkeit Und Verwertbarkeit hin untersucht worden, Metalle, Textilien, Kartonagen, Schaumgummi, Fette – und dann kommt immer wieder einer, der sich an einem unerprobten Material versucht.

Schallplatte

Mit den Espressivomusikern Bruno Walter und John Barbirolli bildet der monumentale Klassizist Otto Klemperer das Triumvirat ehrwürdiger Mahlerkompetenz.

Unser Seller-Teller

Bomben im BDI-Haus – Baader-Meinhof-Freunde kurz vor dem Bankeinbruch gefaßt – Entführer einer Millionärstochter erzwingen Massenspeisung: Nachrichten einer Woche, aber wer vermag sie noch in eine der vielen Guerilla-Theorien und -Modelle einzuordnen? Ein Hauptmann der Bundeswehr entwirft nun das erschreckende Muster einer zukünftigen, noch kaum erprobten Partisanenkriegführung; der Kader-Guerilla im Industriestaat, die mittels Terrors in Großstädten den Staat in einen hilflos zappelnden Polypen verwandeln könnte.

Das böse Wien: Gegen wattierte Wände

Earl Kraus rühmte sich einmal, eine völlig neue Art gefunden zu haben, Wien unerträglich zu finden; aber das Schwierige ist eben, daß uns das Unerträgliche nirgends erträglicher einherkommt als zwischen Kärntnerstraße und Kobenzl.

Collage aus Zufälligkeiten

Wenn einer einmal Zeit genug hatte, eine Tageszeitung, eine von der vorgeblich rundum informierenden Sorte, auszulesen – die Nachrichten, die Meinungsseite, aber auch Seite drei, die großen politischen Reportagen und nicht zuletzt jene bunten Seiten aus aller Welt mit dem aufgepepten Klatsch, mit Notzucht und Mord in Kurzfassung – wenn einer nach einem solchen Studium schon mal zurückgeblättert hat auf die Meinungsseite, wer hätte sich da nicht gewundert.

Architektur mit Rudern

Sie klingt so gut und beinahe neu: die Forderung nach „funktionaler Schönheit“. Sie ist so wahr und ziemlich alt: die Tatsache, daß diese Ideen nur von witzigen Erben formuliert werden, daß sie erst entstehen konnten, nachdem Funktion und Schönheit, Leben und Kunst zuvor kräftig auseinandermanipuliert waren.

Von ZEIT-Mitarbeitern

Friedhelm Gröteke: „Etruskerland – Geschichte, Kunst, Kultur; Studienführer zu den Grabungsstätten und Museen.“ Friedhelm Gröteke, 1932 in Duisburg geboren, Betriebswirt, seit 1968 Wirtschaftskorrespondent der ZEIT in Italien, beschäftigt sich in seiner Freizeit mit antiker Kunst und Archäologie.

Kritik in Kürze

Immer noch kann man im Ausland hören, alle Deutsche im Dritten Reich seien Nazis gewesen; anderseits ist man geneigt, die Bewohner der von Deutschland besetzten Gebiete allesamt als Widerständler zu glorifizieren.

Spionage: Eine Schatzkiste in schlechten Händen

Über die Geschichte des militärischen deutschen Geheimdienstes unter Admiral Canaris, genauer des Amtes Ausland/Abwehr beim Oberkommando der Wehrmacht, steht eine befriedigende Darstellung noch aus.

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