Ich habe in den Ferien gejobbt. Als Decksjunge auf einem Küstenmotorschiff, als Mitarbeiter in Ferientagheimen, als Möbelschlepper und Zeitschriftenwerber.

Eines ist klar – das Ergebnis aus persönlicher Erfahrung und aus einem Interview mit einem Fachmann vom staatlichen Gesundheitsamt: Wer während der ganzen Ferien jobbt, ist nicht erholt. 18 Tage Ferien braucht man zur Erholung – das ist die Meinung des Fachmanns, und das ist die Urlaubszeit, mit der ein arbeitender Jugendlicher rechnen darf und auskommen muß. Bleiben noch drei bis vier Wochen Zeit. Zeit zum Jobben. Zeit, Geld zu machen. Zeit, einmal im Arbeitsprozeß zu stehen. Zeit, mal was anderes (deshalb auch Interessantes) zu sehen. Vier Wochen, die neben dem oft recht spärlich finanziellen Gewinn einen persönlichen Gewinn bringen, eine Bereicherung, die den Horizont erweitern. Vorausgesetzt, man hat sich „seinen“ Ferienjob bewußt ausgesucht.

Michael Kneissler, 18 Jahre

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Jeder einzelne muß selbst entscheiden, ob er auch noch seine Ferien mit Arbeit ausfüllen will. Tatsache ist, daß derjenige, der arbeitet, unausgeruhter ins Schulleben zurückkehrt, was einen Leistungsabfall zur Folge hat. Ich finde, Ferien und Erholung sind wichtiger als das durch Arbeit verdiente Taschengeld, denn gerade an höheren Schulen sind die Anforderungen so hoch, daß die vollen Ferien unbedingt zum Abschalten notwendig sind. Barbara Mende, 16 Jahre

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Die Reize des schalen Besitzstrebens der Wohlstandsgesellschaft treiben heute auch schon die Schüler und Studenten in die Fabriken: Die Jugend ist der Lebensabschnitt der Bildung und Vervollkommnung, nicht nur während Vorlesung und Unterricht, sondern auch in den Ferien: Die Ferien sind zum Reisen da! Die „interail“-Europazugfahrkarte kostet 235 Mark. Man kann sie durch nicht mehr als eine Woche Arbeit finanzieren. Die Mehrheit der Ferienarbeiter aber spart für ein materielles Ziel: schicke Kleider, Mofa, Stereoanlage. Kostbarer sind aber ideelle Werte: Freundschaften, Fremdsprachen, Kulturwissen, Weltoffenheit und Gewandtheit zahlen sich immer aus. Klaus Seibt, 18 Jahre