Von Jakob Volkmar

Bulgarien, als Skiziel für deutsche Urlauber im Winter 1972/73 heftig von einigen Reiseveranstaltern propagiert, suchte man in den Katalogen 1973/74 vergebens. Dagegen halten sich die Wintersportzentren der ČSSR und Polens trotz mancher Mängel, die über sie bekanntgeworden sind, hartnäckig in den Pauschalreiseankündigungen. Jugoslawien konnte sich für diesen Winter mit seinen slowenischen Skiorten inzwischen einen Stammplatz in den Katalogen von mehr als einem Dutzend deutscher Veranstalter erobern, und im nächsten Jahr werden voraussichtlich noch weitere hinzukommen. Rumänien, als das am weitesten von der Bundesrepublik entfernte Winterreiseland in Osteuropa, registriert eine jährlich steigende Besucherzahl – dank der freundlichen Nachhilfe jener Veranstalter, die sich hier engagiert haben. Allein mit Neckermann + Reisen flogen letzten Winter 3500 Skiurlauber in die Skiorte der rumänischen Karpaten, diesmal dürften es knapp 4000 werden. Aber es gibt nicht nur Erfolgsmeldungen: Die Deutschen Jugend- und Studentenreisen (DJSR) hatten zum Beispiel in einer Umfrage der Fachzeitschrift „touristik aktuell“ im Februar 1973 erklärt: „Wir bleiben nur dort, wenn die Leistungen besser werden.“ Anscheinend erfüllte sich diese Hoffnung nicht, denn Rumänien wurde nicht mehr ins Programm der DJSR aufgenommen.

Warum reisen deutsche Skiurlauber in ein so abseits liegendes Ferienland wie Rumänien? Das Amtliche Bayerische Reisebüro in München spricht von „einzelnen Individualisten oder Liebhabern“, die sich für weiße Ferien in Osteuropa begeistern können. Neckermann will einen „eindeutigen Trend zum billigen Angebot“ erkannt haben. Münchner Reisebüros konnten unter ihren Ost-Buchungskunden „Abenteurer-Naturen, besonders junge Leute, die mal was Neues sehen, photographieren und damit angeben wollen“ ausmachen. Erfüllt Rumänien solche Erwartungen?

Der Flug beginnt bei Neckermann in München mit der viermotorigen Turbopropmaschine Ilyushin 18, der sich durch manche Servicemängel auszeichnenden rumänischen Gesellschaft „Tarom“. In etwas mehr als drei Stunden erreichen wir Bukarest, wo wir ohne besondere Formalitäten in den Transfer-Bus umsteigen. Nach weiteren drei Stunden Fahrt sind wir in Brasov, dem früheren Kronstadt. Die Skiorte Poiana Brasov (1020 m), Sinaia (800 m) und Predeal (1060 m, höchste Stadt Rumäniens, noch kein Veranstalterangebot) liegen von Kronstadt aus nochmals 20 bis 30 Autominuten entfernt.

Die Karpaten in den zwischen 120 und 150 km von Bukarest entfernten Skizentren lassen sich noch am ehesten mit unserem Bayerischen Wald vergleichen: bewaldete, nicht zu, steile Berge, die jedoch mit felsigen Spitzen zuweilen an alpine Gebirgsformationen erinnern. An Schnee mangelt es selten, doch spätestens Ende März ist die weiße Saison vorüber. Dann schließen auch die meisten Hotels, um sich auf die (bisher noch) lukrativere Sommersaison vorzubereiten.

Von einem „hochklassigen Skigebiet“ zu sprechen (Neckermann-Katalog), ist wohl übertrieben. Immerhin, in Poiana Brasov gibt es eine drei Kilometer lange FIS-Abfahrtsstrecke mit 760 m Höhenunterschied, und in Sinaia werden sich Könner auf dem Slalomhang versuchen, der an der 2104 m hohen Furnica-Spitze beginnt und auf 600 m Länge über 200 m Höhe abfällt. Auch mit einer FIS-Riesen-Slalomstrecke kann Poiana Brasov werben.

Im übrigen halten sich die „Skibahnen“, wie die Rumänen ihre Pisten bezeichnen, in durchaus familiärem Rahmen, das heißt: Jeder kommt irgendwie wohlbehalten runter. Die Ausrüstung mit mechanischen Aufstiegshilfen ist durchaus respektabel. In Poiana Brasov startet neben der Sessellift-Station auch eine Drahtseilbahn zur 1705 m hohen Cristianul-Schutzhütte. Weiter oben schnurren zwei Schlepplifte. Weitere Liftanlagen sind hinter den Hotels „Teleferik“ und „Poiana“ installiert. Ähnlich ist die Ausstattung mit Aufstiegshilfen in Sinaia: Gondel- und Drahtseilbahn, Schlepplifte. Die noch kaum von deutschen Skiurlaubern entdeckte Stadt Predeal mit dem eigentlichen Skiort Timis kann immerhin schon zwei Sessel- und vier Schlepplifte vorweisen.