Immer noch kann man im Ausland hören, alle Deutsche im Dritten Reich seien Nazis gewesen; anderseits ist man geneigt, die Bewohner der von Deutschland besetzten Gebiete allesamt als Widerständler zu glorifizieren. Wie falsch auch diese Meinung ist, wurde jetzt am Beispiel Holland nachgewiesen vom Direktor des Amsterdamer Rijksinstituut voor Oorlogsdocumentatie L. de Jong: „Het Koninkrijk der Nederlanden in de Tweede Wereldoorlog“; Band 4 (Mai 1940–März 1941; Martinus Nijhoff Verlag, Den Haag; 2 Teile, 992 S., Fl. 93,60, Populärausgabe: Staatsuitgeverisbedrijf, Den Haag, Fl. 32,50). Fast unglaubhaft ist die „loyale Zusammenarbeit“ der meisten Teile des niederländischen Staatsapparats mit den deutschen Eroberern. Als die ersten Juden entlassen wurden, nahm die Mehrzahl der Holländer dies gelassen hin, nicht nur in der Verwaltung, sondern auch in der Wirtschaft, in Presse und Rundfunk; etliche waren sogar noch bei den Entlassungen behilflich. Mancher Holländer fürchtete wohl auch für die eigene Existenz. Tatsächlich waren aber die Besatzer weithin von der Mithilfe der Holländer abhängig. Die Verwaltung hatte also in den ersten Wochen eine viel stärkere Position, als sie wahrhaben wollte.

Immerhin: seit dem ersten Tag der Besatzung gab es schon eine Untergrundpresse. Im Februar 1941 brach in Amsterdam und Umgebung ein Streik aus – als Protest gegen die ersten organisierten antijüdischen Gewalttaten.

Ger van Roon