Neu in Museen und Galerien:

Düsseldorf Bis zum 20. März, Galerie. Denise René Hans Mayer (Kö Center): „Jean Mauboulés“

Man denkt, es seien nun schon ungefähr alle Werkstoffe auf ihre künstlerische Verwendbarkeit Und Verwertbarkeit hin untersucht worden, Metalle, Textilien, Kartonagen, Schaumgummi, Fette – und dann kommt immer wieder einer, der sich an einem unerprobten Material versucht. Jean Mauboules arbeitet mit Glas, diesem spröden, unbildsamen Stoff, er macht es weich, zwingt ihm seinen Willen auf. Aus Scheiben und Scherben entstehen Bilder, Collagen mit kalkulierten und zufälligen Strukturen, die bestimmte räumliche Gegenstände definieren, Würfel, Säulen, die sich aus der Fläche herauswölben, die aufgeklappten Seiten eines Buchs, wobei Material und Bildgegenstand sich gegenseitig verändern, das Glas um in Papier oder Metall verwandelt und die Buchseiten die Vorstellung des gläsern Transparenten evozieren. Daraus resultiert Irritation im Sinn des Trompe d’cel: Die Identität von Form und Inhalt wird mit technischem Raffinement behauptet und zugleich in Frage gestellt. Diese Glascollagen sind über den bloßen Verblüffungseffekt hinaus ein entschieden origineller Beitrag zum Thema Materialsurrealismus.

Hamburg Bis zum 17. März, Kunstverein: „Günter Grass“

Man sollte die Zeichnungen und Radierungen sehen, als ob sie von irgendeinem beliebigen Graphiker wären, der zufällig G. G. heißt. Sollte man wirklich? Hätte der Hamburger Kunstverein die Blätter ausgestellt, wenn sie von einem namenlosen Autor stammten? Vermutlich nicht. Nur, die Frage ist falsch gestellt. Der Versuch, von der Person des Künstlers, von seinem literarischen Nimbus abzusehen, ist illusorisch. Die Blätter sind interessant, weil man weiß, daß Günter Grass sie gezeichnet hat. Als Schriftsteller, sagt Günter Grass, sei er Autodidakt geblieben (was immer man darunter zu verstehen hat: welcher Schriftsteller wäre nicht Autodidakt?). Als Graphiker (und Bildhauer) ist er ein Professioneller, mit sechs Jahren Akademiestudium. Er schreibe und zeichne alternierend. Das ist wörtlich zu nehmen. Der eine und der andere Beruf werden getrennt ausgeübt, vergeblich würde man nach Gemeinsamkeiten und Vergleichbarem in der literarischen und der graphischen Produktion Ausschau halten. Nach einer langen Periode graphischer Abstinenz, bedingt nicht nur durch die literarische, sondern vor allem durch die politische Arbeit („weil die Politik alle Gegenstände der Natur – auch die ausgestopften – verstellt oder statistisch auf Flaschen zieht“), hat Grass jetzt wieder das Zeichnen und Radieren aufgenommen, im neuen Niederelbemilieu, in Wewelsfleth. Er zeichnet Gegenstände der Natur, nicht alle, nicht die Landschaft, nicht den Menschen, vielmehr die ausgestopfte, die tote Natur, nature morte, Wewelsflether Stilleben: Fisch und Puppe, Stiefel und Steinbeißer, Käfer und Schlüssel. Nicht die Dinge selbst, ihre Widersprüchlichkeit, ihre Unvereinbarkeit werden thematisiert. Das Stilleben ist alles andere als still, es wird im Gegensinn verwendet, um Brutalität und Aggression zu denunzieren oder im Medium der Zeichnung abzureagieren. Dieses beunruhigende, unheimliche, mit emotionaler Spannung aufgeladene Sujet wird dann allerdings durch den allzu korrekten, trockenen, wenig flexiblen Strich wieder verharmlost. Der Zeichner Grass zögert, sich von seiner akademischen Vergangenheit zu befreien. Der aufgespießte, aufgerissene Fischkopf, der auf vielen Blättern und in wechselnden Konfrontationen wiederkehrt, ist ein gut gezeichnetes, leicht stilisiertes Tierporträt, ohne die Aura des Schrecklichen und Monströsen zu provozieren. Insofern steht der Schriftsteller Grass dem Zeichner im Wege, man mißt das Niveau der Zeichnungen am literarischen Niveau. Gottfried Sello

Wichtige Ausstellungen:

Augsburg Bis zum 31. März, Rathaus: „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“