Hundert Jahre mögen vergehen, ehe sich die Wälder in Südvietnam von den Folgen des amerikanischen Chemikalien-Krieges erholt haben. Diese wissenschaftlich abgesicherte, bestürzende Erkenntnis hat eine internationale Expertenkommission nach vierjähriger Untersuchung dem Kongreß in Washington unterbreitet.

Was mutige Publizisten und Gelehrte schon seinerzeit als Kriegsverbrechen angeprangert hatten: den Einsatz handelsüblicher, aber überdosierter Entlaubungsmittel zwecks Erntevernichtung und Umweltzerstörung, wird nun durch schlagende Zahlen belegt. Neunzig Millionen Pfund Kampfstoffe – fünf Pfund pro Vietnamesen – wurden binnen zehn Jahren über einer Fläche versprüht, die etwa so groß wie das Bundesland Hessen ist. Ein Drittel der Mangrovenwälder an den Küsten hat der „lautlose Tod“ dahingerafft.

Zur gleichen Zeit, als in Washington diese Studie bekannt wurde, begann in Genf eine Rotkreuz-Konferenz für ein humaneres Kriegsrecht. Bisher haben weder die Genfer Konvention von 1925 noch das Nürnberger Recht noch Beschlüsse der UN-Vollversammlung den Krieg gegen die Umwelt verhüten können, der noch immer in den portugiesischen Kolonien praktiziert wird. Als John F. Kennedy seinen Militärs das fahrlässige Spray-Spiel gestattete, machte sich niemand Gedanken über die Spätwirkungen. Heute gibt es keinen Zweifel mehr: Wer bewußt das ökologische Gleichgewicht antastet, gefährdet die Lebensbedingungen unserer Kinder und Kindeskinder.

kj.