Köln

Daß Planer manches an Planlosigkeit fertigbringen, ist bekannt. Daß sie aber eine neue Fernschnellzugstrecke durch ein neues, hochverdichtetes Wohngebiet legen, hat zumindest den Reiz des Außergewöhnlichen.

In den zwanziger Jahren sammelte die Reichsbahn Grundstücke für eine Trasse, die Köln und Düsseldorf mit Berlin verbinden sollte. Der Plan wurde aufgegeben; das schmale, lange Fleckchen Erde blieb Eigentum der Bahn.

Inzwischen lieferten auch die Kölner Stadtplaner Ideen; sie konzipierten eine „Neue Stadt“, die knapp 100 000 Bürgern Wohnungen bieten soll, eine gewaltige städtebauliche Konzeption, berühmte Architekten, Beton neben Beton, 20 und 30 Stockwerke hoch. Doch jetzt, wo ein Teil fertiggestellt und der Rest im Bau ist, merken die Planer, daß etwas falsch gelaufen ist.

Denn mitten in diesem hochkonzentrierten Wohngebiet liegt die schmale Trasse der Bahn, zwar freigehalten, aber doch bis auf zwanzig Meter Nähe umbaut. Und auf eben diesem Stückchen Land, das zwischen all den Betonklötzen dringend für eine Rasenauflockerung gebraucht würde, will die DB nun eine Schnellzugstrecke bauen, auf der in dichter Folge Züge mit 200 Kilometern pro Stunde das Ruhrgebiet mit dem Frankfurter Raum verbinden. Sie werden ohne Halt mitten durch das Wohngebiet rasen. Viele Anwohner wissen noch nichts von ihrem künftigen Glück.

Die Bundesbahn fühlt sich im Recht. „Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, daß wir die Trasse eines Tages benutzen werden, und wir haben gefordert, daß sie auf allen Karten als Eisenbahnlinie ausgewiesen wird.“ Eine Verlegung, so erklärt der zuständige Projektleiter bei der Kölner Bundesbahndirektion, sei nicht möglich: Einmal, weil sich nördlich ein Wassergewinnungsgebiet anschließt, und zum andern, weil zu enge Kurven die Geschwindigkeiten der Züge erheblich verringern würden. Aber man könne das Teilstück durch die Kölner „Neue Stadt“ auf Stelzen legen. Das sähe zwar häßlich aus, würde auch die Lärmbelästigungen nicht herabsetzen, aber das Gefahrenrisiko mindern.

Die Stadt Köln gibt sich unbeteiligt. Man habe nicht gedacht, so war von einem Beamten zu hören, daß die Bahn tatsächlich gebaut würde – oder nicht so bald. Doch eine offizielle Stellungnahme steht aus. Alle (außer den betroffenen Anwohnern), so scheint es, haben von den konträren Planungen gewußt, auch das Ministerium für Wirtschaft und Verkehr in Düsseldorf, der Dritte im Bunde der Denker und Planer.