Von Hans Schueler

Vor drei Jahren war ich ihnen zum erstenmal unter die Hände geraten – ein gestandener Zivilpilot, für den ich mich hielt und der nun beweisen sollte, daß es sich lohnte, ihm noch eine militärfliegerische Ausbildung zuteil werden zu lassen. Die flugmedizinische Untersuchung hatte ich bestanden: Herz, Kreislauf, Lunge, Leber – alles in Ordnung.

Dann schickten sie mich zu den Psychologen. Ich bekam Versagensangst. Die würden merken, daß ich ein nervöser Typ bin; sie würden das leichte Zittern in den Fingerspitzen registrieren und die erhöhte Pulsfrequenz, wenn ein unerwartetes Ereignis auf mich einstürmt,- und so etwas könnten sie bestimmt simulieren. Woher sollten sie denn wissen, was mir über mich selbst unbekannt war, ehe ich es einmal im dichten Seenebel über Holland erlebte: daß die definitive Erkenntnis einer Notlage wie eine Beruhigungspille wirken kann. Da sind alle Nerven plötzlich entspannt, und du sagst dir: Jetzt mußt du etwas ganz Bestimmtes tun und dann das nächste, um wieder heil an den Boden zu kommen; und du tust es auch.

Sie haben mich passieren lassen. Aber seit jenem Test und der anschließenden Ausbildung zum Militärflugzeugführer ist mein fliegerisches Selbstbewußtsein auf ein bescheidenes Normalmaß reduziert.

Die „Arbeitsgruppe Flugpsychologie“ gehört zum Flugmedizinischen Institut der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck. Ihr Fachgebiet ist indes kein Ableger der Flugmedizin, sondern eher eine Komplementärwissenschaft dazu, der jüngste Forschungszweig von den menschlichen Bedingungen des Fliegens, gewiß der interessanteste und wahrscheinlich der wichtigste.

Ob einer die körperlichen Voraussetzungen zum Piloten mitbringt, läßt sich leicht feststellen. Wer organisch nicht gesund ist, kommt gar nicht erst an den Steuerknüppel. Wie aber lassen sich die geistig-psychischen Merkmale ermitteln, die einen Menschen zum Flugzeugführer geeignet machen? Die Psychologen haben dafür inzwischen bemerkenswerte Kriterien und Meßmethoden entwickelt, die das Ausleseverfahren in der Zivil- und Militärfliegerei wesentlich mitbestimmen.

Wer zum erstenmal den sternförmigen Bau der Arbeitsgruppe betritt, gleich hinter dem Haupttor zum Fliegerhorst, hat im allgemeinen kaum eine Ahnung von dem, was ihn dort erwartet.