Skilanglauf, Skiwandern, so propagieren die Prospekte, sei der Trend dieses Winters. Große Sache für die Familie, empfehlenswert für nicht mehr ganz junge Leute, aber auch, zur Abwechslung, für Pistenfahrer. Zumindest Ärzte und Sportvereine empfehlen den Skilanglauf; die einen sehen darin einen gesunden Ausgleich zum Streß des Alltags, die anderen hoffen, den in knochenharte Stiefel und auf Ski montierten Menschen wieder zu natürlicher Bewegung, zu einem dem Körper zuträglichen Rhythmus zu bringen – ohne daß der alpine Skilauf Einbuße erleidet.

Skilanglauf, Skiwandern läßt sich überall in Szene setzen. Dabei liegt auf „Skilanglauf“ der Akzent des Sportlichen, während Skiwandern mehr im Sinne des Beschaulichen, des Genießens von Schnee, Sonne und Bergnatur aufzufassen ist.

Die Alpenländer beginnen, sich auf den neuen Sport einzustellen, unter anderem die Schweiz. Mit der Alliteration „Langläufer leben Schweiz. hat man einen zugkräftigen Slogan gefunden: auf jeder einen sind die drei Slogan des Slogans anzutreffen. In zweihundert Skischulbetrieben der Schweiz wird in sieben verschiedenen Klassen unterrichtet. Statt den letzten Wedelschliff erhält der ambitionierte Langläufer Anweisungen in Atemtechnik, Kräftehaushalt, Stockführung und Diagonalschritt. In annähernd zweihundert Winterorten sind Loipen ausgesteckt, in einer Länge von zwei Kilometer bis zur Marathonstrecke Maloja–Zuoz (42 Kilometer). Siebzehn Orte haben es bereits auf beleuchtete Nachtloipen gebracht – kein Manierismus, denn wenn der Tag wegen Schneefall oder Nebel ausfällt, mag sich mancher abends noch auf die Loipe begeben, um wenigstens fünf Kilometer abzuspulen. Arosa, Savognin, Samedan, Pontresina, Champéry haben sogar während der ganzen Woche beleuchtete Langlaufstrecken, auch Zürich, das damit die erste Großstadt sein dürfte, die mit einer derartigen Einrichtung aufwartet.

Ärzte stimmen immer häufiger Lobeshymnen auf den Langlauf an. Sie sprechen von einer Verbesserung der Muskeldurchblutung, Herz, Kreislauf, Atmung und Stoffwechsel würden angeregt, zugleich erzeuge der Rhythmus des Laufens mit richtiger Atmung Entspannung, die verstärkt werde durch Freude an der winterlichen Natur.

Die Technik des Skiwanderns läßt sich leicht und schnell erlernen, und Flims hat bereits für die wackeren Skiwanderer Nadeln in Gold, Silber und Bronze zu vergeben. Der Langlauf hat alle Aussicht, ein Volkssport zu werden, er eignet sich auch für jene, die, da sie nicht Ski liefen, bisher immer als „Nichtwintersportler“ deklassiert wurden. Die Verletzungsgefahr ist gering, das Verhältnis 1:11 000. Und weitere Pluspunkte dieser Sportart: von Schneesorgen wird der Skiwanderer – im Gegensatz zu seinem alpinen Kollegen – nur selten geplagt. Denn eineSchneeauflage von 10 bis 15 cm genügt bereits für den Start in die Weite.

Die meisten bayerischen Gebirgsorte wie Oberstdorf, Oberammergau, Garmisch-Partenkirchen, Mittenwald, Bad Tölz, Reit im Winkl, Ruhpolding verfügen neben maschinell gepflegten vier bis 15 km langen Bahnen auch über die härtere, sportlichere Version, die Loipe, eine mit Zeitmeßgeräten ausgestattete Teststrecke für den Langläufer mit „Olympia-Ambitionen“. Berchtesgaden stellt sich als erster deutscher Ort mit Skilanglaufschule vor. Die Schweiz hat bereits ein Markierungssystem entwickelt mit Orientierungstafeln am Ausgangspunkt der Strecke, mit Richtungspfeilen bei Abzweigungen und Kreuzungen, mit Kilometertafeln, die die Langlaufdistanz zum Ziel angeben, Hinweistafeln und Gefahrendreiecken bei Abfahrten, Engpässen, Bachübergängen und ähnlichen Stellen, die Aufmerksamkeit erfordern. Warnfarbe ist gelb.

In der Schweiz gibt es sogar schon besondere Ski-Langlaufwochen. Arosa offeriert Skipackages, Vollpension mit Unterricht von 370 Franken an, die Engelberger Januarwochen beginnen bei 263 Franken, in Lenk bei 224 Franken, in St. Moritz bei 348 Franken. Zuoz, das eine Hochburg des Skilanglaufs im Engadin zu werden verspricht, bietet jede Woche von Dienstag bis Freitag Vier-Tage-Kurse im Skiwandern. Wer nach einem durchwanderten Winter noch genügend Kondition besitzt, hat die Chance, seine Qualitäten bei einem siebentägigen Langlauf-Skifrühling im März/April in den genannten Orten für 300 bis 350 Franken (Halbpension) unter Beweis zustellen. Rainer Deglmann-Schwarz

Information: Die Broschüre „Skiwandern 73/74“ gibt es beim Schweizer Verkehrsbüro, 6 Frankfurt a. M., Kaiserstraße 23, Telephon (06 11) 2 05 61