Hiermit gestehe ich, der Unterzeichnete,mich einer versuchten Anstiftung zu einem „Verstoß gegen das deutsche Postgesetz“ (Condor-Sprecher) schuldig gemacht zu haben. Ich danke auch einer Stewardeß der Deutschen Lufthansa, die durch ihre Weisheit und Umsicht dafür gesorgt hat, daß mein Vergehen im Stadium des erfolglosen, untauglichen Versuchs steckenblieb.

Der Sachverhalt: An Bord der planmäßigen Boeing 747 (Jumbo) der Condor-Flugdienst GmbH, die wie an jedem Freitag 480 Menschen in das Massagen- und Massentourismus-Paradies Bangkok beförderte, begab es sich, daß sich ein Reisender, im folgenden der Täter, plötzlich einer wichtigen Nachricht an einen Daheimgebliebenen erinnerte, die er sich entschloß, auf Condor-Papier, im Condor-Couvert auf dem direkten Wege an besagten Empfänger geben beziehungsweise fliegen zu lassen (der Condor-Jumbo landet am Samstag abend in Bangkok und fliegt zwei Stunden später zurück nach Frankfurt am Main, das er gegen sechs Uhr am Sonntag morgen erreicht).

„Meine Damen und Herren, wir befinden uns jetzt im Anflug auf Bangkok und dürfen Sie bitten...“ Zu diesem Zeitpunkt bat der Täter eine Stewardeß, den Brief doch nach Frankfurt mitzunehmen und dortselbst am Sonntag einzuwerfen. Als hätte der Täter ihr vorgeschlagen, gemeinsam die Maschine nach Tripolis zu entführen, wies die Dame das Ansinnen kühl und mit korrekter Sachlichkeit zurück. „Also, bitte, das dürfen wir nicht, das verstößt gegen das Postgesetz.“ Sie klärte den Anstifter darüberauf, daß es nur eine Möglichkeit gäbe, den Brief nach Deutschland zu senden: ihn in Thailand mit Thai-Postwertzeichen zu bekleben und in einen Thai-Briefkasten einzuwerfen. Die Anmerkung, daß dieses Verfahren den Brief erst vier Tage später, zu spät, ans Ziel brächte, beantwortete die Bedrängte mit dem gebotenen Schulterzucken. Ob sie den Brief denn nicht privat als Freundschaftsdienst mitnehmen könnte? Dieses ungeheuerliche Ansinnen wies die Condor-Angestellte schon etwas unwirsch zurück: „Was denken Sie, wenn ich durchsucht werde, bin ich dran. Außerdem steige ich schon in Karatschi aus.“

Nach dieser deutlichen Absage bemühte sich der Täter um eine andere Komplizin, die er schließlich in einer Lufthansa-Aushilfsstewardeß an Condor-Bord fand. (Anders als bei der Tochter Condor werden an Lufthansa-Maschinen Flugbriefe angenommen und unter bestimmten Bedingungen auch, weitergeleitet.) Die Lufthansa-Kollegin erklärte sich also bereit, den Brief nach Frankfurt mitzunehmen und ihn da einzuwerfen.

Aber die kluge Dame handelte sozusagen als Agent provocateur: um den Täter zu entlarven. Sie nahm den Brief zum Schein an und warf ihn ein – vermutlich in die Lade für „benutzte Papierhandtücher“. Sie handelte den Condor-Vorschriften entsprechend. Der Brief kam vorschriftsmäßig nicht an. Wolfram Runkel