Vera Rüdiger bringt konkretes Leben in konfuse Abstraktionen

Von Rudolf Walter Leonhardt

Wissen Sie eigentlich, was eine "Gesamthochschule" ist? fragte mich der Professor. Ich wagte es wohl nicht zu wissen. Wer wüßte es schon genau. Auch hatte ich den Eindruck, daß der Professor seine Frage viel lieber selber beantworten .wollte. Er ließ mich dann auch nicht lange warten: "Sie ist das Instrument zum Abschluß der Bildungsreform."

Ich muß wohl einigermaßen erstaunt, geguckt haben. Der namenlose Professor ist ein Konservativer. Was er sagte, klang aber doch schon beinahe reformbejahend. Der Pferdefuß kam nach: "Ja, denn die Bildungsreform kann nicht zu Ende gehen, ehe nicht der letzte Volksschullehrer Professor geworden ist."

Die Pointe ist nach bekannten Mustern gestrickt. Der Krieg, so hieß es vor dreißig Jahren, kann nicht zu Ende gehen, ehe nicht der letzte Volksschullehrer Reserveoffizier geworden ist.

In der Tat wird die Gesamthochschule von vielen gesehen als ein Medium sozialen Aufstiegs. Und wenn dadurch "Motivierungen", Energien, gar Enthusiasmus freigemacht werden – warum denn nicht?