Im Unterwesergebiet werden die 56 000 Metallarbeiter also aller Wahrscheinlichkeit nach streiken. Und die Öffentlichkeit wird nicht recht verstehen, warum eigentlich. Durch die Schlichtungsergebnisse von Nordrhein-Westfalen und Hessen sind doch die Tarife für fast die Hälfte der 4,2 Millionen Metallarbeiter praktisch schon festgelegt.

Frage eins: Warum lehnte es die IG Metall ab, in Bremen auf das Angebot einzugehen, das Ergebnis von Nordrhein-Westfalen als Grundlage zu nehmen? Antwort: Die Gewerkschaft demonstriert damit, daß sie die Tarifverhandlungen „nach unten an die Basis“ verlagert hat und regionale Differenzierung will.

Frage zwei: Warum lehnen die Arbeitgeber den Einigungsvorschlag der Bremer Schlichtungsstelle ab, obwohl er als Paket nicht so weit vom nordrhein-westfälischen entfernt ist? Antwort: Sie beharren damit auf ihrer Taktik, die Tarifbewegung zentral zu steuern und zu möglichst gleichen Ergebnissen in allen Bezirken zu kommen, weil sie befürchten, daß sonst ein Bezirk gegen den anderen ausgespielt wird.

Es geht also – vereinfacht gesagt – äußerlich um einen Prozentpunkt, in Wirklichkeit aber um das Prinzip. hm