Um „das Recht der arbeitenden Bevölkerung auf Bewegungsfreiheit gegenüber exzessiver Ausnutzung der Demonstrationsfreiheit durch kleine Gruppen von Chaoten“ zu schützen, wollen die hessische Landesregierung und der Frankfurter Magistrat künftig Anträge auf Demonstrationen strenger prüfen. Studentischen Organisationen werden solche Genehmigungen vorerst gänzlich verweigert, Damit reagierte Ministerpräsident Osswald (SPD) auf die schweren Straßenkrawalle vom Wochenende, bei denen mehr als 20 Polizisten und eine nicht bekannte Zahl von Jugendlichen zum Teil erheblich verletzt worden sind.

Zu den bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen war es zwei Tage nach der Zwangsräumung im Frankfurter Westend gekommen. Vier seit 1971 besetzt gewesene Häuser an der Ecke Bockenheimer Landstraße/Schumannstraße sollen einem Bürohochhaus weichen. Der Abriß begann unmittelbar nach der Räumung.

Als ein genehmigter Demonstrationszug – wobei der Frankfurter AStA einen ruhigen Verlauf des Protestmarsches zugesichert hatte – zu den Grundstücken: gelangte, wurden 30 davor postierte Polizisten mit einem Steinhagel eingedeckt. Demonstranten bauten Barrikaden, griffen die Polizei mit Schlagstöcken und Eisenstangen an.

Etwa 180 von ihnen wurden vorübergehend festgenommen, darunter der AStA-Vorsitzende Krawinkel. Mit Motorrädern waren sogar Rocker aus dem Ruhrgebiet zu den Frankfurter Protestlern gestoßen.

Der Magistrat dankte den Polizeibeamten, daß sie trotz der Angriffe und gezielten Provokationen die Nerven behalten hätten. Der hessische Innenminister Bielefeld hat dem Kabinett Vorschläge zur Verbesserung der Polizeiausrüstung unterbreitet. Bundesinnenminister Genscher sprach von einer „Herausforderung an den freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat“. Der hessische CDU-Vorsitzende Dregger nannte Frankfurt eine „Hochburg des Terrors“.

Universitätspräsident Kantzenbach ließ die Konten des Allgemeinen Studentenausschusses sperren, bis die gegen den AStA erhobenen Vorwürfe (vor allem Landfriedensbruch) geklärt sind. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat 20 bis 30 Ermittlungsverfahren eingeleitet,

Frankfurts Magistrat verteidigt die Zwangsräumung vom Donnerstag voriger Woche und verweist auf die eindeutige Rechtslage“. Für den Neubau an der Bockenheimer. Landstraße habe, der Bauherr alle Auflagen erfüllt, und werde an anderer Stelle im Westend 40. bis 60 So-, zialwohnungen zur Verfügung stellen.