Hamburg eröffnet am Sonntag die Serie der diesjährigen Landtagswahlen. Im Sommer folgt Niedersachsen, im Spätherbst sind Hessen und Bayern an der Reihe. In allen diesen Ländern ist kaum damit zu rechnen, daß ein Machtwechsel eintritt, schon gar nicht in Hamburg. In der Hansestadt ist es fast unmöglich, nicht von der SPD regiert zu werden. Bei der Wahl wird nur darüber entschieden, wie stark die SPD sein wird: Reicht es noch einmal zur absoluten Mehrheit oder werden die Sozialdemokraten schon durch das Wahlergebnis gezwungen, weiter mit der FDP zu koalieren?

Auch in der Hansestadt scheint sich damit die Regel zu bestätigen, daß Landtagswahlen in den seltensten Fällen darüber Aufschluß geben, wie gut oder wie schlecht ein Bundesland regiert wird. Sehr oft aber liefern Landtagswahlen Indizien für die politische Großwetterlage in der Bundesrepublik. So sehr dies die Hamburger bedauern mögen: Die Wahlen in der Hansestadt interessieren außerhalb der Stadtgrenzen nur insoweit, als sie Rückschlüsse auf den Gesamttrend erlauben.

Wer regiert Hamburg? Diese Frage ist schon vor der Wahl beantwortet. Wohl aber lohnt sich zu fragen: Wie weit schlägt die von den Demoskopen ermittelte bundesweite Enttäuschung über die SPD an der Elbe durch? Wohin wandern die Unzufriedenen – zur FDP, zur CDU, oder flüchten sie in die Stimmenthaltung? In den Bonner Parteizentralen wird man über das Hamburger Wahlergebnis länger nachdenken als im Senat der Hansestadt. R. Z.