Über einen Monat nachdem er den Kauf des Gelsenberg-Pakets durch den Bund verboten hatte, lieferte Kartellamtspräsident Günther jetzt die Begründung seines Urteils nach. Man könnte über den Fall kommentarlos hinweggehen, nachdem Bonn der Transaktion inzwischen per Ausnahmegenehmigung seinen Segen gegeben hat.

Das Günther-Papier läßt streckenweise jedoch ein solches Maß an Praxisfremdheit erkennen, die – würde sie die Regel werden – zu schwerwiegenden Fehlschlüssen bei der Fusionskontrolle führen könnte. Das gilt vor allem für die Ausführungen über die Folgen der Transaktion auf die Stromwirtschaft. Spezifische Eigenarten wie Leitungsmonopole und langfristige Lieferverträge lassen auf diesem Markt ohnehin nur einen sehr begrenzten Wettbewerb zu.

Wie ernst ist unter diesen Umständen der Einwand zu nehmen, durch den Paketwechsel würde die (ebenfalls im Teilbesitz des Bundes stehende) Veba mit dem führenden RWE praktisch gleichziehen? Was soll das Argument, der Bund halte über die Saarbergwerke, die Rhein-Main-Donau AG und zwei weitere Werke noch einen zusätzlichen Marktanteil von insgesamt 6,5 Prozent, wenn diese Anbieter praktisch in keinem Wettbewerb miteinander stehen? Etwas weniger Theorie würde den Berliner Kartellwächtern bestimmt gut tun. Eg.