Die deutsche Hausfrau wird untersucht: Ist sie zufrieden, beschränkt oder emanzipiert?

Die Gießener Soziologin Helge Pross hat sich der Hausfrau angenommen, genauer, der Ehefrau, die Mann und Kinder versorgt und nicht erwerbstätig ist. Im Auftrag der Zeitschrift Brigitte ließ sie über tausend Frauen befragen. „Wir wollten wissen“, sagte sie, „wie die Frauen sich selber und ihre Aufgaben sehen, wodurch sie sich bedrückt, wodurch befriedigt fühlen; warum sie Hausfrauen geworden und es geblieben sind; ob und welche Daseinsweisen sie wünschen.“

Das Ergebnis in Stichworten: Die Frau, die sich aus der Obhut des Elternhauses direkt unter die Fittiche eines Ehemannes begibt, gibt es kaum noch. Fast jede Frau ist irgendwann einmal berufstätig gewesen und hat selbständig Geld verdient. Es gibt auch nicht mehr die Hausfrau, die lediglich nur sich selbst und ihren Mann versorgt. Die meisten von ihnen sind Familienfrauen mit mehreren Kindern. Mit anderen Worten – die Mehrzahl der Befragten ist der Kinder wegen Hausfrau geworden und es auch geblieben.

Fast die Hälfte aller Befragten gibt an, daß die Arbeit im Haushalt sie nicht befriedige, viele wollen in den Beruf zurückkehren. Je jünger die Frauen sind, desto stärker der Wunsch, außerhalb des Haushalts zu arbeiten. Dennoch sieht der überwiegende Teil das Leben in der Familie als Beruf höher an als andere Tätigkeiten.

Ein Widerspruch? Die Sehnsucht nach einem Beruf außerhalb des Haushalts und gleichzeitig Hausfrau als Lebensberuf? Die Erklärung hierfür sieht Helge Pross in der Tatsache, daß der Ausbildungsgrad der Frauen gering ist. Über die Hälfte von ihnen hat kein abgeschlossenes Berufstraining, und unter den Ausbildungen überwiegen diejenigen, die auf einem Volksschulabschluß basieren.

Die realen Möglichkeiten also, einen Beruf zu finden, der dem sozialen Status des Ehemannes entspricht, sind gering. So schwindet die Sehnsucht nach dem Beruf mit den Jahren. Traurige Schlußfolgerung: Ab Anfang 40, wenn bei anderen die Karriere erst so richtig anfängt, wenn die Kinder selbständig werden und die familiären Belastungen abnehmen, ziehen sich die Frauen aufs Altenteil zurück: „Objektiv unausgefüllt, unproduktiv, nicht mit Aufgaben konfrontiert, die ihre Fähigkeiten herausfordern oder lebendig halten würden“, so Helge Pross.

Die Frauen nehmen ihren Hausfrauenberuf ernst. Sie tun dies, Obwohl sie für diesen Beruf schlecht gerüstet sind. Irgendwelche besonderen Hauswirtschaftskenntnisse hat nur jede zweite erworben; nur ein Drittel erwarb vor der ersten Entbindung Kenntnisse in der Kinderpflege. Wenige haben Kurse über Erziehungsfragen besucht, wenige lesen Bücher über diese Themen.