Urlaub in der DDR – diese Vorstellung löst immer noch Erstaunen aus. Aber Urlaubsreisen in die DDR sind möglich, wenn auch schwierig. Welche Möglichkeiten gibt es?

1. Die Verwandten- oder Bekanntenreise: Jeder Bundesbürger kann sich von Freunden, entfernten Bekannten oder Verwandten jederzeit in die DDR einladen lassen. Der jeweilige Partner in der DDR beantragt bei seiner örtlichen Polizeibehörde eine Aufenthaltsbewilligung, die in der Regel nach etwa drei Wochen erteilt wird, für eine Dauer von maximal vier Wochen. Neu und für touristische Reisen von besonderer Bedeutung ist, daß diese Aufenthaltsbewilligungen seit Abschluß des Verkehrsvertrages immer für das gesamte Gebiet der DDR erteilt werden, also nicht mehr auf den Ort des antragstellenden DDR-Partners beschränkt sind. Normalerweise erhält man freilich nur eine Einreisegenehmigung für die Eisenbahn. Personen, die körperbehindert sind, dürfen den Pkw benutzen, ebenso Reisende, die von Kindern unter drei Jahren begleitet werden oder deren Reiseziel mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht erreicht werden kann.

Für solche touristischen Reisen auf eigene Faust empfiehlt sich natürlich nicht die Hauptsaison, denn da sind die Hotels der DDR, wie überall in der Welt, ausgebucht. In der Vor- und Nachsaison jedoch hat man in größeren Orten gute Chancen, am besten nach telephonischer Vorbestellung, unterzukommen. Bei diesen Reisen ist man auch nicht auf die teuren Interhotels angewiesen, sondern kann in jedem Hotel absteigen.

In der Mark Brandenburg sollte man auf jeden Fall Zimmer vorbestellen, dort herrscht auch in kleineren Orten reger Touristenverkehr zu jeder Jahreszeit. Selbst in Kurorten, wie Saarow-Pieskow oder Buckow, lustwandeln die Kurgäste auch im tiefsten Winter. Für die Preisunterschiede zwei Beispiele: Im Interhotel "Berolina" in Ostberlin bezahlt man 21 Mark (West) pro Nacht, im HO-Hotel "Zum Bären" in Brandenburg nur 15 Mark (Ost). Das ist bereits der für alle Ausländer um hundert Prozent erhöhte Übernachtungspreis. Das Einreisevisum kostet 15 Mark, pro Aufenthaltstag ist ein Mindestumtausch von 20 Mark im Verhältnis 1:1 in Ostmark vorgeschrieben. Die Quittung muß bei der Anmeldung vorgelegt werden.

2. Touristische Einzelreisen: Wer allein, aber organisiert, in die DDR reisen möchte, beantragt beim Deutschen Reisebüro (DER), seinen Filialen oder bei Lindex-Reisen (8 München 80, Rauchstraße 5, Telephon [089] 9816 27) eine "Touristische Einzelreise". Zur Wahl stehen 17 Städte in der DDR, nämlich Berlin, Dresden, Erfurt, Gera, Weimar, Halle, Karl-Marx-Stadt, Leipzig, Magdeburg, Rostock, Suhl, Cottbus, Potsdam, Eisenach, Neubrandenburg, Schwerin und Saßnitz. Übernachtung und Frühstück kosten zwischen 40 und 70 Mark, weil für diese Reisen nur die teuren Interhotels gebucht werden können. Die Bearbeitungsgebühr von 20 Mark ist auch dann fällig, wenn die Reise nicht zustandekommt.

Wer eine solche Städtereise buchen will, braucht vor allem erst einmal Geduld. Den notwendigen Antrag sollte man zweckmäßigerweise schon acht Wochen vorher einreichen. Die Interhotels der DDR werden ja auch von Geschäftsreisenden, von Delegationen und Ausländern stark frequentiert; es ist also schon ein kleines Roulettspiel, auf das man sich einläßt. Im Reiseantrag nennt man alle Hotels, in denen man übernachten will, mit Datum, versteht sich, dazu einige Ausweichmöglichkeiten. Wenn es klappt, bekommt man dann die gewünschte Reiseroute mit den jeweiligen Übernachtungen genehmigt, bezahlt alle Hotels im voraus, auch die Eisenbahnfahrkarte, und ist dafür vom sonst vorgeschriebenen Mindestumtausch (20 Mark täglich) befreit. Pkw-Genehmigung erfolgt auch hier nur nach den bereits erwähnten Bestimmungen. Pkw-Reisende müssen im übrigen eine nach Entfernung gestaffelte Straßenbenutzungsgebühr von fünf bis 25 Mark (West) bezahlen.

3. Pauschalreisen mit Reiseveranstaltern: Die meisten westdeutschen, Reiseveranstalter haben inzwischen die Lust zu DDR-Reiseangeboten verloren. Übriggeblieben sind noch Hummel und gut. Hummel bietet Ferienaufenthalte in Thüringen im Schloßhotel Reinhardsbrunn in Friedrichsroda an. Eine Woche mit Bahnreise ab Frankfurt, einschließlich Vollpension 478 Mark, die Verlängerungswoche kostet 402 Mark. Relativ teuer sind auch die drei- bis siebentägigen Omnibusrundreisen von gut. Dafür bezahlt der Bundesbürger zwischen 264 und 648 Mark, Einzelzimmerzuschlag jeweils zwischen 20 und 60 Mark. Diese Rundreisen berühren unter anderem wahlweise Eisenach, Erfurt, Weimar, Dresden, Magdeburg, Oberhof, Karl-Marx-Stadt, Rostock, Güstrow, Wismar, Warnemünde, Gera, Berlin, Potsdam, den Spreewald, das Erzgebirge und den Harz. Visagebühren sind auch bei diesen Reisen zu zahlen, der Pflichtumtausch (20 Mark pro Tag) entfällt. Anmeldung sechs Wochen vor Reiseantritt.