Zum vierten Mal hat Papst Paul VI. den sowjetischen Außenminister Gromyko am vergangenen Donnerstag in Privataudienz empfangen. Zuvor war Gromyko bei seinem italienischen Amtskollegen Moro. Obwohl Einzelheiten der Unterredung mit Paul VI. nicht bekannt wurden, gilt als sicher, daß zwei Themen im Mittelpunkt standen: Jerusalem und Osteuropa.

In der Frage Jerusalems ist dem Vatikan daran gelegen, daß eine Regelung gefunden wird, die wirksame Garantien für einen Zugang zu den heiligen Stätten der Christen gewährleistet.

Hinsichtlich Osteuropas glauben beide Seiten, zu Kompromissen gelangen zu können: der Kreml auf Grund vatikanischer Vorleistungen, wie sie in der Abberufung des Kardinal Mindszenty zum Ausdruck gekommen ist; der Vatikan wegen der erkennbaren sowjetischen Bemühungen um Entspannung.

Der Sowjetregierung liegt an einer stillschweigenden Anerkennung ihrer hegemonialen Rolle in den osteuropäischen Staaten auch durch den Papst, während dieser in den Ländern mit vorherrschend römischkatholischer Bevölkerung, aber auch in der Sowjetunion, die seelsorgerische Betreuung gesichert wissen möchte.