Berlins Wirtschaftssenator König konnte Erfreuliches vermelden: In dem Bericht über das abgelaufene Jahr konstatierte er erneut überdurchschnittliche Produktivitätssteigerungen in der Berliner Wirtschaft. Bei leicht rückläufiger Zahl der Arbeitskräfte stieg das reale Sozialprodukt in West-Berlin wie in der Bundesrepublik um fünf Prozent – stärker als in den letzten drei Jahren.

Der Grund: die Produktivität je Erwerbstätigen stieg um sechs Prozent und lag damit wiederum höher als in der Bundesrepublik (5,4 Prozent). Auch die Industrie hat mit neun Prozent ihre Produktion stärker steigern können als die Industrie im Bundesgebiet (7,5 Prozent). Sorgen bereitet in West-Berlin allerdings die Bekleidungsindustrie, deren Umsätze 1973 um sechs Prozent zurückgingen.

Die überdurchschnittliche Produktivitätssteigerung verdankt die West-Berliner Industrie der Tatsache, daß sie seit 1968 je Beschäftigten in jedem Jahr mehr investiert hat als die Industrie im Bundesgebiet. Während 1962 die Nettoproduktion je Beschäftigten in West-Berlin noch um zehn Prozent unter dem Bundesdurchschnitt lag, ergab sich schon 1972 ein Vorsprung Berlins.

West-Berlins Unternehmer wollen zwar diese günstigen Zahlen nicht bestreiten, halten Königs Bericht aber dennoch für zu optimistisch. In dem Senatsbericht, so heißt es, komme überhaupt nicht die außerordentlich schlechte Ertragslage der Unternehmen zum Ausdruck. Außerdem sei, durch die zunehmenden Schwierigkeiten, die die DDR bei der Verwirklichung des Berlin-Abkommens bereitet, die Stimmung der Berliner Unternehmer wieder in eine Talsohle geraten. jn