So sehr sich die Programme der Sender vielleicht entröten – die roten Zahlen werden immer röter.

Ministerpräsident Heinz Kühn in einem kulturpolitischen Werkstattgespräch der SPD

Fortsetzung des GULAG-Berichts

Während Alexander Solschenizyn sich der „Unverantwortlichkeit“ und dem „kindischen Benehmen“ der ihn in Deutschland und der Schweiz umlauernden Journalisten vorerst entzogen hat und nach Norwegen weitergereist ist, wo er sich niederzulassen hofft, produziert der Scherz Verlag weiter am Rekordobjekt „Archipel GULAG“. Bisher sind 580 000 Exemplare bestellt oder verkauft, bis Mitte März soll eine Auflage von 785 000 verfügbar sein – das Problem für den Verlag liegt vor allem in der Papierbeschaffung. Vergleichbares hat es im deutschen Buchhandel bisher nicht gegeben. Im Herbst dieses Jahres, spätestens im nächsten Frühjahr, sollen die Teile 3 bis 5 des insgesamt siebenteiligen Werks in deutscher Sprache vorliegen, wiederum Monate vor den Ausgaben in anderen westlichen Sprachen – falls die Übersetzerin es rechtzeitig schafft und falls Solschenizyn bis dann mit den Korrekturen fertig wird, die er dank dem jetzt erleichterten Zugang zu dem Quellenmaterial an dem Manuskript vornehmen kann und will. Hatte der erste „GULAG“-Band die politische Strafjustiz seit der Oktoberrevolution geschildert und damit das Tabu Lenin verletzt, so werden die kommenden Teile nicht bei 1956 haltmachen, also über den Stalinismus hinaus in die Gegenwart vordringen.

Die Millionen-Dollar-Dinge

Den höchsten Vorschuß, der je für ein Buch gezahlt wurde, nämlich eine Million Dollar, hat dem Vernehmen nach der Superstar der amerikanischen Literaturszene kassiert, Norman Mailer: Es soll ein Roman werden, der die Geschichte einer Familie von der Vergangenheit bis in die Zukunft erzählt (sofern diese Verlautbarung nicht als Scherz gemeint war). Einen gleichen Rekord, nur im Minus, hat ein Schriftstellerkollege von Mailer erzielt: Nach siebzehn Monaten vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen, sieht sich der wegen seiner betrügerischen Fälschung der Howard-Hughes-Autobiographie verurteilte Clifford Irving Regreß- und Anwaltsforderungen in Höhe von einer Million Dollar gegenüber. Wie er die Schulden abarbeiten wolle? „Langsam“, sagte Irving. Vielleicht schriebe er ein Buch über das Gefängniswesen: „Das Gefängnis ist eine Farce und ein Verhängnis.“

Chinesen in Paris