Das Treffen der 24 mittel- und südamerikanischen Außenminister mit Henry Kissinger endete am Montag in Mexiko City ohne greifbare Ergebnisse. Kissinger war schon in der Nacht zum Sonntag nach Washington zurückgeflogen, um seine Nahost-Reise vorzubereiten.

Die dreitägigen Verhandlungen brachten zwar noch nicht den beschworenen „neuen Dialog“, schufen aber die Voraussetzungen dafür. Kissinger versprach den Ländern südlich des Rio Grande:

  • Washington erkennt seine „besondere Verantwortung“ für den Südkontinent.
  • Die Vereinigten Staaten werden die Auslandshilfe im bisherigen Umfang fortsetzen, keine protektionistischen Maßnahmen ergreifen und möglichst bald Zollpräferenzen für Lateinamerika in Kraft setzen.
  • Die Politik Washingtons wird sich weder in die inneren Verhältnisse Lateinamerikas einmischen, noch diesen Ländem die politischen Wünsche der USA aufzwingen.

Der Antrag einiger Staaten, das Thema „Kuba“ auf die Tagesordnung, zu setzen, scheiterte an Kissingen Ablehnung. Die Vereinigten Staaten hatten schon vor Konferenzbeginn durch drei Abkommen die gespannte Atmosphäre zwischen Nord- und Südamerika gelockert: mit Panama (über die Rückgabe der Kanalzone), mit Peru (über die Entschädigung für enteignete US-Firmen) und mit Mexiko (über die Nutzung des Colorado-Wassers). Dank dieser Vorleistungen und durch Kissingers Auftreten akzeptierten die Minister den Vorschlag, häufiger und weniger formell Einzelprobleme mit Nordamerika zu diskutieren.

In den drei Tagen vor Kissingers Eintreffen am Donnerstag voriger Woche hatten die Debatten der Außenminister gezeigt, daß Südamerika nicht mehr zu einer gemeinsamen außen- und wirtschaftspolitischen Haltung findet. Die Energiekrise hat vielmehr die immer schon brüchige Einheitsfront gegenüber den USA vollends aufgespalten. Venezuela, das Hauptförderland in Südamerika, nutzt den Preisboom, um seine wirtschaftliche Stellung zu festigen; Brasilien wünscht um seiner industriellen Entwicklung willen keine Blockbildung zusammen mit den USA, die die arabischen Länder zu einer Reduzierung der Öllieferungen veranlassen könnte.