Diktaturen lieben keine Zwischentöne, in Worten nicht und schon gar nicht in Taten; Milde scheint ihnen allemal ein gefährliches Zeichen von Schwäche. Völker, die unter Diktaturen leben, sind gut beraten, beides nie zu vergessen. Viele Spanier haben gerade dies in der Freude über Reformversprechen ihres neuen Ministerpräsidenten Arias getan – bis zur vergangenen Woche, als zwei Männer mit der Garotte, dem Würgeeisen, hingerichtet wurden.

Einer der beiden starb in Barcelona: Salvador Puig Antich, ein Student und Anarchist, der bei seiner Festnahme nach einem Bankraub einen Polizisten erschossen hatte. Das Todesurteil war den Tatumständen nicht angemessen, Francos Weigerung, ihn zu begnadigen, schändlich – hier wurde mit der kaltblütigen Opferung eines Menschenlebens Einschüchterungspolitik betrieben, und die Art der beiden Hinrichtungen war unmenschlich und grausam.

Einen Tag nach Puigs Tod ließ der Bischof von Bilbao eine anklagende Predigt verlesen, in der mehr Rechte für die Basken gefordert wurden. Der streitbare Geistliche, Fürsprecher der politischen Gefangenen, steht seitdem unter Hausarrest und widersetzt sich seiner von Madrid betriebenen Ausweisung.

Was die Reformen angeht, die Arias angekündigt hat, so ist es bisher beim Versprechen geblieben. Praxis dagegen ist immer noch das Regime der Intoleranz und Gewalt. H. B.