Regierungssturz, Inflation, Olskandal, Ehescheidungsstreit – und keine Hoffnung

Von Hansjakob Stehle

Rom, im März

Frauen, in Decken gehüllt, auf den Kirchenbänken, verschnürte Kissen, armselige Bündel, Kinderwagen um den Altar: 87 obdachlose Familien haben die römische Vorstadtpfarrei San Policarpo besetzt.

Zur gleichen Stunde verläßt Italiens Regierungschef, der Christdemokrat Mariano Rumor, den Quirinals-Palast, wo er dem Staatspräsidenten – Symbol solider Beständigkeit – seinen Rücktritt erklärte. Die Wachen mit den prächtigen Helmbüschen salutieren. Mariano Rumor, froh, die Zeremonie hinter sich zu haben, begibt sich in sein Stamm-Restaurant zu einem gepflegt ten Abendessen.

Irgendwo im "Ewigen Rom", wo jetzt, aus Sparsamkeit, viele Lichter erloschen sind, übermalt ein junger Mann faschistische Mauersprüche, die bereits kommunistisch überpinselt wurden, zum drittenmal: "abasso tutto – nieder mit allem".

Im Parlamentsgebäude auf dem Montecitorio brüten zu dieser Stunde noch Abgeordnete über gerichtlich zugestellten Akten und einer peinlichen Frage: War es Bestechung, wenn die Erdölfirmen den Regierungsparteien Millionenschecks zukommen ließen?