Was man alles aus einem Vertrag herauslesen kann

Von Joachim Nawrocki

Das Vier-Mächte-Abkommen über Berlin ist nun mehr als anderthalb Jahre in Kraft, seit dem 3. Juni 1972. Noch länger gibt es Streit um die Auslegung des Abkommens: Die verschiedenen Interpretationen zeichneten sich bereits ab, als bei der Paraphierung des Abkommens Anfang September 1971 keine einheitliche deutsche Übersetzung zustande kam. Einer der zentralen Begriffe des Abkommens, nämlich die "Bindungen" West-Berlins an den Bund, die weiter entwickelt werden dürfen, wurde von der DDR mit "Verbindungen" übersetzt und entsprechend enger ausgelegt.

Inzwischen sind etliche Arbeiten erschienen, worin das Vier-Mächte-Abkommen über Berlin aus der jeweiligen Sicht der Autoren interpretiert wird:

Ernst R. Zivier: "Der Rechtsstatus des Landes Berlin – Eine Untersuchung nach dem Viermächte-Abkommen vom 3. September 1971"; Berlin Verlag, Berlin 1974, 2. Auflage, 312 S., 28,– DM.

Dieter Mahncke: "Berlin im geteilten Deutschland"; Schriftenreihe des Forschungsinstituts der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik; R. Oldenbourg Verlag, München/Wien 1973, 325 S., 42,– DM.

V. N. Boldyrew: "Westberlin und die europäische Sicherheit", Staatsverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1973, 80 S., 1 M.