Bonn, im März

Bündnispflege wird in Bonn wieder größer geschrieben. Wenngleich es sich um einen bloßen Zufall handelte, so wirkt es doch fast symbolisch, daß sich der französische und der amerikanische Außenminister am vergangenen Wochenende in der Bundeshauptstadt die Klinke in die Hand gegeben haben. Der Bundesregierung war dieser Zufall um so willkommener, als sie alles vermeiden möchte, was sie vor eine Wahl zwischen ihren beiden wichtigsten Partnern, Amerika und Frankreich, stellen könnte.

Nach dem Doppelbesuch ist Bonn einiger Sorgen vorläufig wieder enthoben. Henry Kissinger hat mit seiner Reise an den Rhein die Reste jener Verstimmung aus der Welt geschafft, die der amerikanische Alleingang im Yom-Kippur-Krieg nicht zuletzt in der Bundeshauptstadt hervorgerufen hatte. Und Michel Jobert hat jenen Streit nicht weiter kultiviert, der bei der Washingtoner Energiekonferenz zumal zwischen Frankreich und der Bundesrepublik entstanden war.

Die Versöhnungsgesten kommen auch dem europäisch-amerikanischen Verhältnis zugute. Der unmittelbar nach den Visiten Joberts und Kissingers von den Neun beschlossene Dialogbeginn zwischen Europäern und Arabern bringt zusätzliche Entkrampfung für das westliche Lager: Frankreich braucht sich in der Energiefrage nicht länger isoliert, Amerika noch nicht herausgefordert zu fühlen. Die Alternative zwischen europäischer Einigung und atlantischer Partnerschaft, die Bonn vor allem fürchtet, stellte sich diesmal nicht.

Das Hauptproblem bleibt freilich ungelöst. Europäisch-arabischer Dialog auf der einen, europäisch-amerikanische Kooperation in Energiefragen auf der anderen Seite: Hinter diesem Dualismus steht die alte Kernfrage, wie „europäisch“ und wie „atlantisch“ Europa sein soll. Zwischen diesen beiden Spannungspolen wird sich Bonn auch weiterhin hindurchschlängeln müssen.

C.-C.K.