Mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachten Italiens Supermarktketten den seit acht Monaten bestehenden Preisstopp. Um 25 Prozent stieg der Umsatz der größten Supermarktkette Italiens, „Standa“, im vergangenen Jahr. Der Ertrag der zum Montedison-Konzern gehörenden Filialkette blieb jedoch hinter den Erwartungen zurück. Viele Artikel mußten unter dem Einstandspreis verkauft werden. Der Umsatzboom hat handfeste Gründe: Italiens Regierung hat im vergangenen Sommer die Preise des Einzelhandels auf dem Stand eingefroren, den jedes einzelne Unternehmen in seinem Preisverzeichnis ausgewiesen hatte.

Da die Supermärkte im Durchschnitt billiger verkauften als die halbe Million schlecht organisierter Kleinbetriebe, lief den Supermärkten im Verlauf des Jahres immer mehr Kundschaft zu. Im Lebensmittelgeschäft war die Expansion so stark, daß inzwischen die Kapazitätsgrenzen erreicht sind. „Dieses Jahr erwarten wir 200 Milliarden Lire (820 Millionen Mark) Umsatz bei Lebensmitteln. Mehr geht nicht“, erklärte der Standa-Präsident. Da für Supermärkte in Italien wegen der starken Kleinhändler-Lobby kaum noch neue Betriebsgenehmigungen erteilt werden, ist eine weitere Expansion schwierig.

Aber auch die Einkaufsmöglichkeiten bereiten den Einzelhandelskonzernen Kopfzerbrechen. Die großen Hersteller haben ebenfalls gestoppte Preise und verkaufen lieber an „Tante-Emma-Läden“, weil die Abgabepreise für Kleinbetriebe auf einem höheren Niveau eingefroren wurden und schwerer zu kontrollieren sind. Viele Firmen können nicht mehr kostendeckend für den Inlandmarkt produzieren. Standa muß deshalb Waren teurer im Ausland einkaufen, um sie überhaupt im Sortiment halten zu können. So wird in Italien erstmals deutscher Zucker verkauft. „Jedes Paket müssen wir für zehn Lire (vier Pfennig) weniger verkaufen, als wir dafür bezahlt haben“, heißt es dazu bei „Standa“. fg