• Halten Sie eine Finanzierung des Bundeshaushaltes über Kassenobligationen für vernüftig?

Lichtenberg: Grundsätzlich ja. In den „Fristenfächer“ der Bundesschuld passen solche mittelfristigen Papiere durchaus. Im Augenblick aber ist der Markt in sehr schwacher Verfassung, so daß man ihm kaum Neuemissionen zumuten kann. Bei Kassenobligationen zielt man auf die Kreditinstitute als Käufer, die aber jetzt festverzinsliche Titel wegen des Kursrisikos scheuen, nachdem sie schon im letzten Jahr sehr hohe Abschreibungen verkraften mußten. Ich glaube zwar, daß der Kapitalzins sich seiner Spitze genähert hat, doch kann eine vorsichtige Bankleitung niemals weitere Kursrückgänge völlig ausschließen. Mir erschiene es allerdings vernünftiger, wenn der Bund seinen unabweisbaren Finanzierungsbedarf über Kredite oder Schuldscheine decken würde, mit denen man auch andere Kapitalsammelstellen ansprechen kann.

  • Wird mit den von der Bundesbank vorgesehen Konditionen der Zinsauftrieb weiter verschärft?

Lichtenberg: Ja, wie die Reaktion des Marktes bestätigt hat. Die ärgerliche ZinsVerzerrung – einerseits ein Diskont von nur sieben Prozent, andererseits ein Kapitalzins von fast elf Prozent – ist damit noch offenkundiger geworden.

  • Ist es zu verantworten, daß für drei- und vierjährige Kassenobligationen praktisch der gleiche Zins geboten wird wie für langlaufende Titel?

Lichtenberg: Es kann durchaus in bestimmten Situationen marktgerecht sein, für Kurzläufer den gleichen oder gar einen noch höheren Zins zu bieten wie für Langläufer. Generell muß man bei Kassenobligationen im Zins ausgleichen, da sie keinen regulierten Markt haben, sich also nicht ohne weiteres veräußern lassen.

  • Spielt der zinsrobuste Staat mit seiner Finanzierung über Kassenobligationen die private Wirtschaft „an die Wand“?