Washington, im März

Bis zum 1. März, dem Tag der ersten Watergate-Anklage, gab es einen Schutzwall, hinter dem sich viele verschanzen konnten: der Präsident selber und auch diejenigen, die ihn nicht belasten wollten. Zwar gilt auch jetzt noch das rechtsstaatliche Prinzip in dubio pro reo, und Richard Nixon hat flugs daran erinnert. Doch den Lauf der Gerechtigkeit kann auch der Präsident nicht aufhalten. Mit der Anklage gegen sieben seiner wichtigsten ehemaligen Mitarbeiter „beginnt sich der Ring zu schließen“ (so der republikanische Senator Packwood).

Selbst überzeugte Republikaner, so zeigen die Nachwahlen in verschiedenen Bundesstaaten, sind jetzt bereit, den Trennungsstrich zu Nixon zu ziehen. Sie akzeptieren nicht länger sein winkelzügiges Argument, daß er zwar die Verantwortung, nicht aber die Schuld für den Watergate-Skandal übernehmen wolle. Die Anklagen gegen Haldeman, Ehrlichman, Mitchell, Colson und andere ehemalige Größen aus dem Präsidentenzirkel haben der seit einem Jahr debattierten Schuldfrage eine neue Dimension verliehen. Mehr noch freilich überzeugt die immer häufiger geäußerte Vermutung, daß die Untersuchungsjury auch den Präsidenten hätte anklagen können, wenn einem solchen Schritt nicht verfassungsrechtliche Bedenken im Wege stünden.

Ob der zunächst geheim gebliebene Befund der grand jury über Nixons Rolle in der Affäre dem Repräsentantenhaus den entscheidenden Anstoß oder gar die Handhabe zum impeachment geben wird, läßt sich mit Sicherheit nicht voraussagen. Der zuständige Richter, John Sirica, hat noch nicht zu erkennen gegeben, wie er die Erkenntnisse der Jury verwerten will. Aber selbst wenn die im Befund gezogenen Schlußfolgerungen nicht die Beweiskraft hätten, von der gemunkelt wird, wachsen Nixons Probleme. Die in den Nachwahlen sichtbar gewordene Erosion seines letzten Rückhaltes im Lande wird auch seine treuesten Parteifreunde gegen den Präsidenten aufbringen.

J. Kr.