Fertighausunternehmer verspüren einen neuen Trend zum Einfamilienhaus

Während in großen Teilen der Bauwirtschaft Krisenstimmung herrscht und die Produktion weiter eingeschränkt wird, freuen sich die deutschen Fertighaushersteller seit Jahresbeginn über steil ansteigende Absatzzahlen. In der Branche zeichnet sich ein neuer Produktionsrekord ab.

Die Okal-Gruppe, mit 5493 errichteten Häusern und 33 Prozent Marktanteil im vergangenen Jahr Stärkster der Branche, verzeichnete eine „lebhafte Nachfrage nach Einfamilienhäusern“. In der Okal-Zentrale in Lauenstein bei Hannover hoffen die Absatzmanager auf eine noch stärkere Belebung, falls die hohen Hypothekenzinsen im Laufe des Jahres zurückgehen.

„Sahen wir die Marktbelebung am Jahresanfang noch als Scheinblüte an, so hat sich die Tendenz jetzt gefestigt. Die Verkäufe ziehen deutlich an“, bestätigt auch Fritz L. Frieauff, Sprecher der Neckermann Eigenheim GmbH, die das Streif-Eigenheimprogramm vertreibt. Neckermann/Streif war mit 4500 errichteten Häusern und 30 Prozent Marktanteil 1973 zweitgrößter am Markt.

Einen spürbaren Aufschwung meldeten auch die Nordhaus Fertigbau GmbH, in der sich acht Hersteller mit elf Betrieben zusammengeschlossen haben, und die Walter Zenker KG. Beide verkauften letztes Jahr jeweils rund 1300 Eigenheime.

Die Ursachen des plötzlichen Aufschwungs: Wer bauen will und scharf rechnen muß, kann mit Paragraph 7 b wieder Einkommensteuer sparen. So ergossen sich die Aufträge von Bauherren, die nur auf das Signal aus Bonn gewartet hatten, wie eine Springflut über die Hersteller. Noch sind freilich auffallend viele Beamte unter den Käufern. Sie haben die von der Bundesregierung am 9. Mai 1973 eingeleitete Phase der Hochzinspolitik und Kreditrestriktionen dank günstiger Finanzierung über das Beamtenheimstättenwerk relativ unbeschadet überstanden.

Doch auch wenn die Zinsen in naher Zukunft nicht sinken, hoffen die Fertighausverkäufer, mit noch zögernden Baulustigen handelseinig zu Werden. „Man kann nicht ausschließen“, so Günther Haase vom Bundesverband Montagebau und Fertighäuser, „daß sich die Kunden an die hohen Zinsen gewöhnen.“ Die Okal-Manager glauben bereits, einen Sinneswandel der Hauskäufer festzustellen: „Bei zweistelligen Inflationsraten sagen sich viele: lieber jetzt als später, trotz hoher Zinsen.“